Ausgrabung Aktuell

Der Archäo-Blog für die Region rund um Stade. Hier erfahren Sie stets, was es für Neuigkeiten rund um das Thema Archäologie gibt. Stadt- und Kreisarchäologie berichten gemeinsam mit dem Museum über neue Forschungen, Funde und aktuelle Ausgrabungen.

Forschung | Zeitstufen: Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit Römische Kaiserzeit | Daniel Nösler | 31.03.2017 Landkreis Stade

Speichergespräch: Die Römer an der Elbe – Neue archäologische Forschungen in Kehdingen

Vor mehr als 1.500 Jahren gab es sehr enge Kontakte zwischen dem Römischen Reich und den an der Niederelbe siedelnden Germanen. Archäologische Befunde belegen für Kehdingen eine rege Handelstätigkeit mit dem Imperium, aber auch die Anwesenheit von Veteranen, die nach ihrem Dienst im römischen Heer wieder in ihre Heimat zurückgekehrt sind. Exklusive Luxusgüter zeigen außerdem die Anwesenheit einer hier lebenden sächsischen Elite.

In dem Vortrag wird ebenso auf die Lebensverhältnisse der damaligen bäuerlichen Bevölkerung eingegangen. Wie konnten die Marschenbewohner ohne den Schutz der Deich überleben?

Auch im Frühmittelalter zeigen die archäologischen Objekte weitreichende Handelsbeziehungen und zeugen von der fortwährenden Bedeutung Nordkehdingens. Anhand der bisherigen Untersuchungen kann davon ausgegangen werden, dass bei Freiburg für etwa 1.000 Jahre ein wichtiger Hafenort und Handelsplatz existiert hat, dessen bedeutende Funde an der Unterelbe bislang ohne Vergleich sind. Im frühen 11. Jahrhundert verlor der Ort jedoch seine Bedeutung. Die Ursachen hierfür sind noch nicht abschließend geklärt.

Die nunmehr drei Jahre andauernden intensiven Forschungen zur Archäologie in Nordkehdingen werden umfassend präsentiert und beleuchten eindrucksvoll die kaum erforschte Frühgeschichte dieser interessanten Region.

Der Vortrag findet am 12.04.2017 um 19:30 Uhr im Historischen Kornspeicher Freiburg statt.

Ausgrabung | Zeitstufen: Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Daniel Nösler | 23.03.2017 Landkreis Stade

Gold aus Goldbeck

Dass sächsische Siedler aus dem Elb-Weser-Dreieck im 5. Jh. einen maßgeblichen Anteil an der Besiedlung Ostenglands hatten, ist lange bekannt. Dies wird insbesondere durch archäologische Objekte wie Keramik und Fibeln belegt, von denen in beiden Gebieten identische Stücke gefunden wurden. Zu den kunsthandwerklich herausragenden Schmuckstücken dieser Zeit, die in England und in Nordniedersachsen vorkommen, zählen die Gleicharmigen Kerbschnittfibeln der Völkerwanderungszeit.

Torben Schuback fand während planmäßiger Begehungen bei Goldbeck drei Fragmente dieser Fibeln vom Typ Dösemoor. Die Fundstelle liegt direkt an einem heute verlandeten Kleingewässer, an dem sich bis vor einigen Jahrzehnten ein markanter Grabhügel befunden hat. Die aus vergoldetem Silber gefertigten Stücke sind sehr gut erhalten, datieren in die 2. Hälfte des 5. Jh. und zeigen die typischen Kerbschnittverzierungen sowie das Motiv „des rückblickenden Tieres“. Diese Dekore haben ihre Vorbilder in den Verzierungen spätrömischer Kerbschnittgarnituren, sodass vermutetet wird, dass die Fibeln möglicherweise im sächsischen Gebiet durch römische Handwerker hergestellt worden sind. Gewandspangen dieser Güte werden nur äußerst selten gefunden und deren Trägerinnen dürften zur sächsischen Oberschicht gehört haben.

Bei den Prospektionen wurden neben wenigen anderen Objekten außerdem eine völkerwanderungszeitliche Fibel, zwei frühmittelalterliche Scheibenfibeln und Keramikscherben geborgen. Scheinbar hat hier eine frühgeschichtliche Siedlung oder ein Gräberfeld bestanden. Allerdings könnte die Fundstelle an dem Teich auch auf eine gezielte Niederlegung hindeuten. Der eponyme Fund wurde beispielsweise intentionell im „Dösemoor“, einem ausgedehnten Hochmoor, deponiert.

Forschung | Zeitstufen: Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Daniel Nösler | 22.03.2017 Landkreis Stade

Stumme Zeugen großer Katastrophen - Die Bracks im Alten Land und Buxtehude

Im Jahr 2017 jähren sich zwei der schwersten Hochwasserkatastrophen, die das Alte Land je erlebt hat. 55 Jahre nach der verheerenden Flut von 1962 und 300 Jahre nach der dramatischen Weihnachtsflut von 1717 wird in der Ausstellung „Stummen Zeugen großer Katastrophen – Die Bracks im Alten Land und Buxtehude“ an die zerstörerische Kraft der Sturmfluten erinnert.

Die Bracks zeugen vom ewigen Ringen des Menschen gegen die Gewalt der Wassermassen – und von seinem Scheitern in historischer Zeit. Es handelt sich um Auskolkungen, die durch die enorme Kraft des durch den Deich brechenden Wassers entstanden sind. In den vergangenen Jahrhunderten waren die Schutzwälle aufgrund ihrer Konstruktion und nicht immer ausreichenden Unterhaltung bei starken Sturmfluten sehr anfällig und brachen dementsprechend häufig. Wenn das Wasser zurückgegangen war und die Deiche meist notdürftig Instand gesetzt waren, blieben neben den vernichteten Existenzen die grundlosen Bracks zurück.

Diese Kolke sind heute vielfach als Kulturdenkmale und Naturschutzgebiete geschützt, da sie zum einen interessante Relikte der Deich- und Sturmflutgeschichte darstellen und zum anderen sich zu wertvollen Biotopen entwickelt haben. Im Landkreis Stade hatte bereits Hans Peter Siemens, der damalige Pfleger für Naturdenkmäler des Kreises Jork, das ökologische Potential der Bracks erkannt und im Jahr 1932 alle Altländer Relikte in seinem Manuskript "Die Deichkolke des Kreises Jork als Naturdenkmäler" vereinigt und beschrieben. Siemens hatte zum ersten Mal in Deutschland überhaupt in einer Landschaft alle Bracks systematisch erfasst und historisch erforscht.

Der Verein zur Förderung und Erhaltung Altländer Kultur hat in Zusammenarbeit mit der Jorker Archivarin Susanne Höft-Schorpp und dem Kreisarchäologen Daniel Nösler das Werk überarbeitet, neue Fotos erstellt und Bracks ergänzt, die nach 1932 entstanden waren. Sie haben nicht nur das Buch herausgegeben, sondern aus dem Material auch eine Ausstellung entwickelt, die die heute noch in der Landschaft vorhandenen Bracks und ihre Geschichte zeigt.

Die Ausstellung ist ab dem 1. April 2017 im Museum Altes Land zu sehen. Das Museum ist von Dienstag bis Sonntag von 11:00 Uhr bis 17:00 Uhr geöffnet.

Das Buch ist für den Preis von 15 € ab dem 1. April 2017 zu erwerben:

im Altländer Archiv, Westerladekop 4, Jork
im Museum Altes Land, Westerjork 49, Jork
in der Drogerie Hubert, Jork und
in der Tourismuszentrale, Westerjork 10

Ausgrabung | Zeitstufen: Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Dietrich Alsdorf | 21.03.2017 Landkreis Stade

Das geheime Flaschengrab von „Schröders Erben“

Bereits vor über 135 Jahren wurde im damals ländlichen Harsefeld an Limonaden und Mineralwässern experimentiert. In einer Zeit, in der die Bürger vornehmlich das muffige, nach Eisen schmeckende Brunnenwasser konsumierten, schlugen die auf Flaschen gezogenen Erfrischungsgetränke ein wie eine Bombe. Damals begann eine rasante Entwicklung, die bis im Grunde heute anhält: Mineralwässer und Fruchtlimonaden gibt es in jedem Haushalt. Damals wie heute schleppen die Menschen Getränkekisten und geben ihre Pfandflaschen wie selbstverständlich zurück. Eine Entdeckung im Harsefelder Neubaugebiet „Neuenteicher Weg“ gewährte kürzlich ungewöhnliche Einblicke in eine ländliche Mineralwasserfabrikation.

Nils Bludau, ehrenamtlicher Mitarbeiter der Archäologischen Denkmalpflege, kontrollierte im Neubaugebiet Aushub und abgeschobene Flächen nach möglichen Funden. Dort machte er eine zunächst banal klingende Entdeckung: Eine alte Müllkippe – mitten auf der Trasse für den Lärmschutzwall. Das Besondere aber – sie bestand dem Augenschein nach nur aus Flaschenbruch. Scherben der einst in Harsefeld ansässigen Mineralwasser-Anstalt „Schröders Erben“, wie an der Prägung zu lesen war.

So zahlreich der gläserne Nachlass, so gering ist bisher die schriftliche Überlieferung. Klar scheint, dass der junge wie geschäftstüchtige Apotheker Johannes Schröder die Idee einer Mineralwasserfabrikation um 1871 in den Ort trug. Was mochte hinter dieser „Beerdigung“ stecken? Als Firmengründer Johannes Schröder 1892 mit nur 46 Jahren starb, führten seine Witwe Catharina und seine beiden Schwestern Adelheid und Elise das Unternehmen als „Schröders Erben“ fort. Das Wasser für ihre Produkte wurde aus einem vor dem Haus befindlichen tiefen Brunnen gepumpt. In den nahen Kellerräumen wurde das Wasser destilliert, mit Kohlensäure sowie zusätzlichen Mineralien und Substanzen veredelt und abgefüllt.

Verkauft wurden die Wässer in Pfandflaschen – damals Patenflaschen genannt, deren Anschaffung einen beträchtlichen Teil des Betriebskapitals verschlang. Und hier lag ein großes Problem: Der Konsument fand die Flaschen mit ihren Klappverschlüssen so praktisch, dass nicht selten keine Rückführung erfolgte. Als Saftbehälter fanden sich bald große Mengen des Flaschenumlaufs in privaten Haushalten. Ein Ärgernis, dem auch nicht mit Prägungen wie „unverkäuflich“ oder „vor Fremdbefüllung wird gewarnt“ beizukommen war.

Forschung | Zeitstufen: Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Angelika Franz / Daniel Nösler | 20.03.2017 Landkreis Stade

The Captive Heart - Das gefangene Herz

Der zertifizierte Sondengänger Torben Schuback staunte nicht schlecht, als er an einem Radweg bei Horneburg einen australischen Uniformknopf aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckte. In der Mitte des verbeulten Fundstücks prangt der australische Kontinent unter der britischen Krone, umrandet von dem Schriftzug „Australian Military Forces“. Schuback hatte einen australischen Uniformknopf gefunden.

Wie aber kam das Stück hierher? Australische Truppen hatten im Zweiten Weltkrieg nicht auf deutschem Boden gekämpft. Entsprechend konnte es auch keine Kriegsgefangenen gegeben haben, die bei den Horneburger Bauern Zwangsdienste leisteten. Und nach dem Krieg kontrollierten die Briten die Nordwestzone ohne jegliche Beteiligung von Australiern. Wem also mochte der Knopf von der Uniform gefallen sein? Dietrich Alsdorf von der Stader Kreisarchäologie erinnerte sich sofort an eine Geschichte, die er schon vor 20 Jahren von dem Horneburger Zeitzeugen Helmut Schering gehört hatte. Kurz nach dem Krieg herrschte für einige Wochen große Aufregung in der Umgebung, als britische Filmteams die Dörfer belagerten. Sie drehten das Kriegsepos „Das gefangene Herz”. „The Captive Heart” lautete der Originaltitel des Films, der schon 1946 mit großem Erfolg in den englischen und auch deutschen Kinos gezeigt werden sollte.

Die meisten Szenen wurden in einem ehemaligen deutschen Kriegsgefangenenlager in Westertimke und Umgebung gedreht – Orte, an denen nur Monate zuvor tatsächlich noch Briten interniert waren. Für andere Szenen aber, darunter die lange Anfangssequenz des Films, dienten die Felder um Horneburg als Kulisse. Helmut Schering war als 15-jähriger Schüler bei den Dreharbeiten dabei gewesen.

Im Film schleppt sich eine lange Kolonne britischer Kriegsgefangener auf dem Weg dem Lager entgegen, an der Uniformknopf gefunden wurde. Kurz nach dem Krieg musste während der Dreharbeiten vieles improvisiert werden. Die Hauptrollen des Films wurden zwar von professionellen Schauspielern besetzt, bei den meisten Statisten aber handelte es sich um britische Soldaten, die als Kostüme einfach alte, verschlissene Uniformen aus den Beständen überzogen. Darunter offenbar auch eine, die den Weg von Australien nach Deutschland gefunden hatte – mit einem losen Knopf an der Jacke. Auch einige Horneburger wurden als Komparsen verpflichtet. So ist auf dem Gefangenenzug das Pferdegespann eines Bauern zu sehen, beladen mit “verwundeten” Dorfbewohnern.

Eine erneute Suche brachte weitere Requisitenteile ans Licht. Schuback und Alsdorf fanden einen weiteren Knopf von einer britischen Uniform sowie ein Mützenabzeichen der „Queen’s Own Cameron Highlanders“, einer schottischen Einheit.

Forschung | Zeitstufen: Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Daniel Nösler | 20.11.2016 Landkreis Stade

Dem Kloster Himmelpforten auf der Spur

Im alten Ortskern von Himmelpforten befand sich bis in das Jahr 1647 das Zisterzienserrinnenkloster Porta Coeli. Es war um 1250 zunächst in Rahden bei Lamstedt, Lkr. Cuxhaven, gegründet worden und wurde dann um 1255 aus politischen Gründen in das Dorf Eulsete verlegt. Die villa Eulsete wurde später nach dem Kloster in Himmelpforten umbenannt.

Von der Abtei kündet heute nur noch die umgestaltete und verkleinerte St. Marienkirche, denn nach den verheerenden Zerstörungen des 30jährigen Krieges und des Nordischen Krieges wurden die Ruinen gänzlich abgetragen. Über das Aussehen des Klosters ist daher nichts bekannt.

Derzeit ist im Bereich des ehemaligen Klosters die Errichtung eines Einkaufszentrums geplant. Obwohl bereits große Flächen modern überbaut sind, existieren noch einige Areale, in deren Untergrund sich Überreste der Abtei erhalten haben könnten.

Die Berliner Firma easternatlas hat kürzlich im Auftrag der Kreisarchäologie Stade einige betroffene Flächen mit einem Georadar untersucht. Mit dieser Methode ist es möglich, im Boden verborgene Relikte wie Fundamente, Keller, Gräber, Brunnen usw. sichtbar zu machen. Wir erhoffen uns dadurch erste Einblicke in die Struktur des Klosters und zur Lage weiterer historischer Gebäude. Nach Auswertung der Messungen wird es möglich sein, die im Vorfeld der Baumaßnahmen notwendigen Rettungsgrabungen detaillierter planen zu können.

Forschung | Zeitstufen: Römische Kaiserzeit | Daniel Nösler | 20.11.2016 Landkreis Stade

Ein Langobarde im CT

Mit einem Paukenschlag trat 1927 das auch überregional bekannte langobardische „Fürstengrab“ bei Apensen in die Öffentlichkeit. Willi Wegewitz publizierte ein durch Zufall entdecktes Brandgrab, das so reich mit Silber- und Bronzebeigaben ausgestattet war, dass es gleich in die erste Liga der Beisetzungen aus den ersten beiden Jahrhunderten nach Christus aufstieg. Vergleichbare so genannte Fürstengräber sind vereinzelt weiter elbeaufwärts, in Mecklenburg bis Pommern, Sachsen-Anhalt und entlang der jütländischen Ostküste verbreitet, wo sie als herausragende Bestattungen einer kriegerischen Elite gelten.

Fast ein halbes Jahrhundert blieb dieses Ensemble ein Einzelfund, bis im Jahr 1971 Dietrich Alsdorf weitere als Urnen verwendete römische Bronzegefäße entdeckte. Daraufhin wurde dieser Platz in mehreren Ausgrabungskampagnen näher untersucht. Die größten Ausgrabungen führte die Stader Kreisarchäologie in den Jahren 2008-2009 durch. Diese Forschungen haben die Kenntnis über das Brandgräberfeld sowie dessen Umfeld wesentlich erweitert und wichtige und umfangreiche Funde erbracht.

Besonders bemerkenswert ist die große Zahl von Bronzegefäßen, die im Bereich des Römischen Reiches hergestellt und dann in Apensen als Leichenbrandbehälter vergraben wurden. Einige von ihnen sind im Block geborgen worden und werden nun Schritt für Schritt unter Laborbedingungen bearbeitet. Diese Arbeiten werden derzeit in Kooperation mit Christina Peek vom Niedersächsischen Institut für historische Küstenforschung und Melanie Dierks, Fachhochschule Erfurt, sowie im Rahmen von Studentenpraktika an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart durchgeführt. Hierzu wurden die Bronzeurnen bei der Firma Alexander Speith GmbH & Co. KG mit einer digitalen Röntgenanlage durchleuchtet.

Aufgrund der sich im Röntgenbild abzeichnenden besonders reichhaltigen Beigabenausstattung wurde beschlossen, ein Gefäß bei der Firma GE Sensing & Inspection Technologies GmbH mittels Computertomografie genauer zu analysieren. Die gewonnene 3D-Darstellung wird die nun folgende restauratorische Bearbeitung maßgeblich unterstützen helfen.

Ausgrabung | Zeitstufen: Bronzezeit Vorrömische Eisenzeit Römische Kaiserzeit Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit Jungsteinzeit | Daniel Nösler | 29.09.2016 Landkreis Stade

Eröffnung der Sonderausstellung "Die größte Grabung des Landkreises Stade" im Museum Harsefeld

Vor etwas mehr als einem Jahr ging im Harsefelder Neubaugebiet "Am Redder III" die flächenmäßig größte Ausgrabung des Landkreises Stade erfolgreich zu Ende. Fast ein halbes Jahr lang haben Archäologen der Grabungsfirma ArchaeoFirm auf fast 5 Hektar Fläche spannende Funde von der Jungsteinzeit bis zur Völkerwanderungszeit und somit aus einer Zeitspanne von 4000 Jahren gemacht.

Nachdem nun die Grabung ausgewertet ist und viele Funde restauriert sind, wollen wir der Öffentlichkeit erste Ergebnisse präsentieren. Daneben werden interessante Objekte gezeigt, die in den letzten beiden Jahren durch unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter Nils Bludau, André Jeske und Torben Schuback geborgen wurden.

Am Donnerstag, 13. Oktober 2016, um 17.00 Uhr, wird im Museum Harsefeld die von der Stader Kreisarchäologie konzipierte Sonderausstellung "Die größte Grabung des Landkreises Stade - Die archäologischen Untersuchungen im Harsefelder Baugebiet Redder III" eröffnet. Die Schau wird bis zum 23. April 2017 zu sehen sein.

Zu dieser Veranstaltung laden wir Sie und Ihre Begleitung herzlich ein.

Eine Einführung in die Ausstellung erfolgt durch den Kreisarchäologen Daniel Nösler.

Forschung | Zeitstufen: Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Daniel Nösler | 10.08.2016 Landkreis Stade

Geköpft und gepfählt - Archäologen auf der Jagd nach den Untoten

Am 8. August 2016 ist das von der Wissenschaftsjournalistin Dr. Angelika Franz und dem Stader Kreisarchäologen Daniel Nösler verfasste Buch "Geköpft und gepfählt. Archäologen auf der Jagd nach den Untoten" im Konrad Theiss-Verlag Darmstadt erschienen. Das Werk und weitere Informationen gibt es direkt beim Verlag.

Die Furcht vor Untoten ist so alt wie die Menschheit und die Bestattungen von Vampiren oder Wiedergängern finden sich nicht nur in den Karpaten oder Polen, sondern ebenso in Mockersdorf in der Oberpfalz oder im Mittelburgenland in Österreich. Mitten in Europa. Wir haben uns auf die Spurensuche gemacht, ja das ein oder andere Grab selbst gefunden. Doch wir sind dabei auch der Frage nachgegangen, welches Schicksal der Untote vor seinem Tod erlitten haben muss, und aus welcher Not heraus Menschen das Gebot der Totenruhe gebrochen haben. Wir fanden ein düsteres Stück unserer Kulturgeschichte.

Am 19. August 2016 um 20:00 Uhr findet in der historischen Friedhofskapelle auf dem Alten Finkenwerder Friedhof in Hamburg-Finkenwerder eine Lesung der beiden Autoren statt. Die Kapelle finden Sie hier. Um Voranmeldung zu dieser Veranstaltung wird unter buecherinsel@buecherfink.de gebeten.

Weitere Veranstaltungen finden an folgenden Terminen statt:

19. Oktober 2016, 19:00 Uhr
Vortrag bei der Archäologischen Gesellschaft im Landkreis Rotenburg (Wümme)
City Passage Zeven

29. Oktober 2016
Landesmuseum Hannover
Familientag

2. November 2016
Antiquity Slam, 20:00 Uhr
Neues Museum Berlin, Griechischer Hof

6. November 2016, 17:00 und 19:00 Uhr
Hamburger Unterwelten

11. November 2016, 19:00 Uhr
Museum für Sepulkralkultur, Kassel

17. November 2016, 19:00 Uhr
AbendLese, WBG-Literarium, Darmstadt

Forschung, Ausgrabung | Zeitstufen: Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Andra Fink / Dr. Andreas Schäfer | 08.08.2016 Landkreis Stade

Vorburgsiedlung zur Schwedenschanze entdeckt

Seit einigen Jahren ist die Stadtarchäologie der Hansestadt Stade auf der Suche nach der Vorburgsiedlung des bei Groß Thun direkt an der Schwinge gelegenen frühmittelalterlichen Burgwalls „Schwedenschanze“. Nur 200 Meter von der Burganlage entfernt wurde kürzlich ein Gehöft abgerissen, um Platz für zwei Neubauten zu schaffen. Im Vorfeld der Baumaßnahmen führte die Stadtarchäologie eine Ausgrabung durch, bei der zwei Grubenhäuser, eine Einfriedung, Gruben sowie diverse Pfostengruben dokumentiert werden konnten. Die beiden 4-Pfosten-Grubenhäuser sind mit einer Grundfläche von 4 x 3,8 Metern ungewöhnlich groß. Ein Grubenhaus weist eine rechteckige Herdpflasterung aus flachen Feldsteinen auf, aus der Verfüllung des zweiten Grubenhauses stammen Webgewichtsbruchstücke. In den Befunden wurde frühmittelalterliche Keramik geborgen, die sowohl in der Herstellungsart, als auch in der Datierung zu den in der „Schwedenschanze“ ergrabenen Gefäßfragmenten passt.
Direkt südlich der Grubenhäuser lag eine grabenartige Einfriedung, die das gesamte Baugelände von West nach Ost querte. Hinweise auf einen etwa fünf Meter breiten Pfostenbau lieferten einige Pfostengruben. Die genaue Ausdehnung des Gebäudes lässt sich aufgrund einer neuzeitlichen Störung (Keller eines neuzeitlichen Hauses) nicht ermitteln. Mit dieser Ausgrabung konnte endlich der Nachweis einer Vorburgsiedlung zur „Schwedenschanze“ erbracht werden und untermauert damit die These, dass die heutigen Dörfer in der Region häufig eine Platzkontinuität bis in das Frühmittelalter aufweisen.

Ausgrabung | Zeitstufen: Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Dr. Andreas Schäfer | 24.06.2016 Stade

Rettungsgrabung auf der Hertie Baustelle

Seit einigen Tagen arbeitet die Stadtarchäologie auf der Abrissbaustelle des alten Hertie-Kaufhauses. 

Die dort gemachten Funde sind eine echte Überraschung. Eigentlich war nicht davon auszugehen, dass die Großbaustelle der 1970er Jahre noch Spuren der Stadtgeschichte übrig gelassen hätte.

Nun kamen allerdings Überreste der Grundmauern einer Klosterschule aus dem 14. Jh. zum Vorschein. Die Schule gehörte zum St. Georg Kloster, einem Prämonstratenserstift, dessen Schüler erstmals in einer Quelle von 1393 erwähnt werden. 1540 wird aus der Schule die städtische Lateinschule, die dann 1588 in das Athenaeum mündet, das noch heute als Gymnasium existiert. Das Athenaeum lag früher mitten in der Stadt. 1901 wurde es in das heutige Carl-Diercke-Haus in der Bahnhofstraße umgesiedelt, seit 1925 ist es im ehemaligen Lehrerseminar an der Harsefelder Straße untergebracht.

Weiterhin kamen Bestattungen eines Friedhofs zutage, der ebenfalls zum Kloster St. Georg gehörte. Die Gräber stammen vermutlich aus dem 13. und 14. Jh. Auffällig sind mehere Kindergräber sowie das Grab einer offenbar wohlhabenden Dame, auf deren Stellung Kupferschmuck als Beigabe hinweist.

Die Stadtarchäologie hofft im Laufe der kommenden Wochen noch weitere Erkenntnisse auf dem leider nur kleinen, ungestörten Areal gewinnen zu können.

Forschung | Zeitstufen: | Daniel Nösler | 30.05.2016 Landkreis Stade

Indianer an der Oste?

In der Sammlung von Kurt Thomsen aus Gräpel, die kürzlich durch die Archäologische Denkmalpflege des Landkreises Stade wissenschaftlich bearbeitet wurde, befindet sich dieser exotische Fund, der mutmaßlich eine sehr weite Reise hinter sich gebracht hat. Die Pfeilspitze wurde von ihm in den 1980er Jahren am westlichen Osteufer im Baggergut, das aus dem Bereich des alten Gräpeler Ostehafens stammt, geborgen.

Sowohl die Form der Pfeilspitze als auch das Rohmaterial des Stückes verweisen auf eine ausländische Herkunft: Der rötlich gebänderte graue Feuerstein kommt in Norddeutschland nicht vor. Das Projektil hat im unteren Bereich zwei seitliche Einkerbungen und eine konkave Basis. Damit entspricht das Objekt typologisch den sogenannten „Side Notched Points“, die insbesondere im Mittleren Westen der USA in großer Zahl vorkommen, überwiegend in die Zeit um 3000–1500 v. Chr. datieren und von indianischen Stämmen benutzt wurden. Die Pfeilspitze ist 5,5 cm lang, 2,7 cm breit, 1,2 cm dick und hat ein Gewicht von 12 g. Das Stück weist kleinere Beschädigungen an der Spitze und an einem Flügel auf.

Die Möglichkeiten, wie das Stück zufällig oder absichtlich in die Oste am Gräpeler Hafen gelangt ist, sind vielfältig: Es kann als Souvenir von USA-Reisenden, Söldnern der frühen Neuzeit oder rückgekehrten Auswanderern mitgebracht worden, über den Antiquitätenhandel erworben worden oder ein Teil einer Altertümersammlung gewesen sein. So hat beispielsweise auch der Stader Geschichts- und Heimatverein vor dem Zweiten Weltkrieg eine Kollektion nordamerikanischer Pfeilspitzen in seine Sammlung aufgenommen. In Europa werden in Privatsammlungen oder als Bodenfunde immer wieder Objekte registriert, die eindeutig aus Nordamerika kommen (SCHREG 2013; SPECK 1988; BERAN/RÖSSLER 1990). Vergleichbare Stücke stammen dabei auch aus dem Elbe-Weser-Gebiet (STRAHL 1990, 267f.) sowie aus Niedersachsen allgemein (COSACK 2000) und belegen damit, wie viele exotische Artefakte in die heimischen Sammlungen gelangen können.

Ausgrabung | Zeitstufen: Jungsteinzeit | Daniel Nösler | 25.03.2016 Landkreis Stade

Ein Dorf aus der Steinzeit gefunden – Ausgrabungen in Düdenbüttel

Die Gemeinde Düdenbüttel erschließt derzeit am östlichen Ortsrand das neue Wohngebiet „Osterdamm“. Da bereits im Jahr 2005 beim Bau des benachbarten Neubaugebietes archäologische Spuren aus der Jungsteinzeit zu Tage traten, wurde kürzlich im Vorfeld der Baumaßnahmen eine Fläche von einem halben Hektar Größe archäologisch untersucht.

Die Ausgrabungen fanden in Kooperation zwischen der Gemeinde Düdenbüttel und der Archäologischen Denkmalpflege des Landkreises Stade statt und wurden durch das Archäologiebüro Nordheide unter der Leitung von Jan Bock durchgeführt.
Trotz der schwierigen Witterung mit Schnee, Hagel und Regen wurden bislang einmalige Funde gemacht. Hinter den dokumentierten Bodenverfärbungen verbergen sich nämlich die Überreste eines Dorfes der jungsteinzeitlichen Einzelgrabkultur (4.800-4.300 Jahre alt). Anhand von Pfostenspuren lassen sich die Standorte von zwei Häusern rekonstruieren. Hinzu kommen Feuerstellen und Vorratsgruben. Im Jahr 2005 wurden bereits zahlreiche Objekte geborgen. Dazu gehören ein Flintbeil und eine Pfeilspitze aus Feuerstein sowie verzierte Keramik. Nun wurden ein Mahlstein zur Verarbeitung von Getreide, Fragmente von Tongefäßen und weitere Feuersteinwerkzeuge gefunden.

Die Einzelgrabkultur war von Skandinavien und Deutschland im Norden und Süden sowie von den Niederlanden bis Polen im Westen und Osten verbreitet. Charakteristisch für diese Epoche ist die Bestattung der Toten in den namengebenden Einzelgräbern, die sich oft in Grabhügeln verbergen. Daneben wurden kunstvolle Steinäxte – die sogenannten Streitäxte – gefertigt, die auf eine kriegerische Zeit verweisen. Bisher kannte man fast ausschließlich Gräber der Einzelgrabkultur. Überreste von Siedlungen sind immer noch von großer Seltenheit. Zwar gibt es beispielsweise aus den Niederlanden schon eine Handvoll archäologischer Befunde von Häusern, in Niedersachsen waren aus dieser Zeit bisher noch überhaupt keine Belege für Wohnbauten bekannt.

Die Grabungsergebnisse werden in der nächsten Zeit näher ausgewertet. Das genaue Alter des Dorfes wird dann in einem Labor mit der Radiokohlenstoffmethode bestimmt.

Ausgrabung, Forschung | Zeitstufen: Altsteinzeit / Mittelsteinzeit | Daniel Nösler | 23.03.2016 Landkreis Stade

Neue Forschungen zum Mittelpleistozän in Blumenthal

Seit 2012 erforscht die Stader Kreisarchäologie zusammen mit dem Niedersächsischen Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) die Ablagerungen eines prähistorischen Gewässers bei Blumenthal. Hier fand sich im Profil einer Sandgrube eine Torfschicht, in der auch Hölzer und ein Flintartefakt eingelagert waren. Da also zu vermuten war, dass sich hier ein Lagerplatz des Urmenschen befunden haben könnte, wurde der Sandabbau kontinuierlich archäologisch begleitet.

Die Geowissenschaftler des LBEG führten in Blumenthal mehrfach umfangreiche Untersuchungen durch, deren Ziel es war, dass Alter und die Genese dieser Ablagerungen zu bestimmen. Hierfür wurden zuerst aus den Torfschichten Pollenproben entnommen und im Labor analysiert. Im Jahr 2014 wurden die Profilwände der Sandgrube geowissenschaftlich untersucht, um die eiszeitliche Schichtenabfolge nachvollziehen zu können. Wir wurden dabei vom Sandgrubenbetreiber Helmut Meyer (Hagenah) dankenswerterweise und tatkräftig unterstützt. Im Oktober 2015 führte ein Team des LBEG unter der Leitung von Dr. Janine Meinsen eine umfangreiche Bohrkampagne in und an der Grube durch.

Die mehr als 40 m tiefen Bohrungen ermöglichten eine genaue Einordnung des Blumenthaler Vorkommens und reichten bis in die Ablagerungen des Holstein-Meeres hinunter. In der Holstein-Warmzeit (vor 340.000-325.000 Jahren) dehnte sich das Meer bis in den Stader Raum aus und erst die nachfolgende Saale-Eiszeit führte zu einem dramatischen Rückgang des Meeresspiegels. Erste Ergebnisse der geowissenschaftlichen Forschungen haben Janine Meinsen, Melanie Thomas, Guntram Herrendorf und Carsten Schwarz in ihrem Aufsatz "Die mittelpleistozäne Entwicklungsgeschichte der Grube Blumenthal im Landkreis Stade" kürzlich in den GeoBerichten 31 (Hannover 2015) vorgestellt, der hier heruntergeladen werden kann.

Forschung | Zeitstufen: Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Daniel Nösler | 16.03.2016 Landkreis Stade

Mittelalterarchäologie zwischen Elbe und Weser

Einen gewichtigen Aufsatz "Mittelalterarchäologie im Elbe-Weser-Dreieck. Forschungsgeschichte, Forschungsfelder, Perspektiven" haben Stefan Hesse, Kreisarchäologe des Landkreises Rotenburg (Wümme), und Daniel Nösler, Kreisarchäologe des Landkreises Stade, im neu erschienenen Stader Jahrbuch vorgelegt.

Auf 103 Seiten werden Einblicke in die Forschungsgeschichte der Archäologie des Mittelalters, die handelnden Akteure, die Forschungsschwerpunkte und interdisziplinäre Ansätze gegeben. Ein Fokus liegt auf Untersuchungen an Burgen, Klöstern und Kirchen, dem Bestattungswesen sowie der Stadtarchäologie. Auch die ländlichen Siedlungen sowie der Wurten- und Deichbau und das Verkehrswesen werden behandelt. In einem Ausblick werden Forschungsdesiderate und -perspektiven aufgezeigt. Die digitale Ausgabe des Artikels kann hier eingesehen werden.

Das Stader Jahrbuch 2015 ist unter dem Titel „Der Elbe-Weser-Raum im Mittelalter“ im Selbstverlag des Stader Geschichts- und Heimatverein erschienen und wurde am 15. März 2016 im Niedersächsischen Landesarchiv, Standort Stade, feierlich vorgestellt. Es zählt 368 Seiten, umfasst neun Aufsätze, darunter ein Beitrag zu "Forschungen an den Schulen", enthält zahlreiche Rezensionen und kostet 15 Euro. Erhältlich ist es in allen Buchhandlungen; ISSN 0930-8946.

Forschung | Zeitstufen: Römische Kaiserzeit Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Daniel Nösler | 14.03.2016 Landkreis Stade

Kolloquium zur Römischen Kaiserzeit und Völkerwanderungszeit in Agathenburg

Am 9. und 10. Oktober 2015 fand auf Einladung von Daniel Nösler von der Archäologischen Denkmalpflege des Landkreises Stade das Marschenrats-Juniorkolloquium im Schloss Agathenburg statt. 21 Nachwuchswissenschaftler aus Baden-Württemberg, Berlin, Niedersachsen und Schleswig-Holstein kamen zusammen, um sich zu aktuellen Forschungen zum Thema „Archäometallurgische Aspekte und Analysemöglichkeiten bei der Auswertung kaiserzeitlicher und völkerwanderungszeitlicher Siedlungen“ auszutauschen. Das Kolloquium wurde von Ivonne Baier und Jan Bock (beide Georg-August-Universität Göttingen) organisiert.

Es wurden neun Referate gehalten, die von den Teilnehmern angeregt diskutiert wurden. Die Kurzzusammenfassungen der Vorträge des Juniorkolloquiums sind in den kürzlich erschienenen Nachrichten des Marschenrates 2015 nachzulesen:
IRIS AUFDERHAAR: Werkplätze der Edel- und Buntmetallverarbeitung. Aufbau – Ausstattung – Archäologischer Befund
JAN BOCK: Metallgewinnung und -verarbeitung in Groß Meckelsen
SARYN SCHLOTFELDT: Neue interdisziplinäre Forschungen am kaiser- bis völkerwanderungszeitlichen Ufermarkt Elsfleth-Hogenkamp, Ldkr. Wesermarsch
DANIEL DÜBNER: Flögeln, Loxstedt, Feddersen Wierde. Metallfunde aus großen Siedlungs-Altgrabungen im Vergleich
BENTE SVEN MAJCHCZACK: Grubenhaussiedlung und Handelsplatz? Tinnum auf Sylt in Völkerwanderungszeit und Frühmittelalter
ULF ARNE SCHMIDT: Eine kaiserzeitliche Siedlung mit Eisenverhüttung in Westerholz, Ldkr. Rotenburg (Wümme)
KARL JOHANN OFFERMANN: Eisenzeitliche Muschelhaufen am Windebyer Noor – Eine Neubewertung
DANIEL NÖSLER: Methodik und Ergebnisse von Detektorprospektionen auf Siedlungen der Römischen Kaiserzeit und Völkerwanderungszeit im Landkreis Stade

Forschung | Zeitstufen: Altsteinzeit / Mittelsteinzeit Römische Kaiserzeit Jungsteinzeit | Daniel Nösler | 23.02.2016 Landkreis Stade

Gewässer als Archive der Umwelt- und Landschaftsgeschichte

Geowissenschaftler und Biologen des Niedersächsischen Instituts für historische Küstenforschung aus Wilhelmshaven haben im Herbst 2015 Bohrkerne aus dem Weißen See bei Heinbockel entnommen. Die Bohrungen wurden während einer mehrere Tage andauernden Kampagne von einem Floß niedergebracht. Eingebunden sind diese Untersuchungen in das interdisziplinäre Forschungsprojekt "Die Auswirkungen prähistorischer und vorindustrieller Landnutzung auf nordwestdeutsche Seen und deren Einzugsgebiete", in dessen Rahmen Seesedimente als Umweltindikatoren analysiert werden.

Da sich im unmittelbaren Umfeld des Weißen Sees mehrere Siedlungsspuren seit dem Mesolithikum befinden, soll anhand der durch die Bohrkerne aufgeschlossenen Seesedimente der menschliche Einfluss auf Umwelt und Landschaft erforscht werden. Hierzu werden an den Proben geochemische und pollenanlytische Untersuchungen durchgeführt. Erste Ergebnisse belegen, dass der Weiße See am Ende der letzten Eiszeit entstanden ist.

Im Rahmen des Projektes wurden in Kooperation mit der Archäologischen Denkmalpflege des Landkreises Stade bei Ahlerstedt, Oldendorf und Düdenbüttel weitere Gewässer erfasst, an deren Randbereich sich prähistorische Fundstellen befinden und die somit Potential für weitere interdisziplinäre Forschungen aufweisen.

Forschung | Zeitstufen: Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Daniel Nösler | 21.01.2016 Landkreis Stade

Vortrag am 3. März 2016 : Untote - Wiedergänger - Vampire. Die Archäologie des „lebenden Leichnams“

Vampire oder Zombies sind durch ihre Präsentation in Filmen oder der Literatur ein fester Bestandteil der Gegenwartskultur. In früheren Zeiten war der Glaube an Untote oder Wiedergänger weit verbreitet. Insbesondere in Zeiten von Krisen wie Seuchen oder Krieg konnte sich die Angst vor den lebenden Toten zur Hysterie ausweiten.

Auf Gräberfeldern von der Urgeschichte bis zur Neuzeit werden immer wieder Sonderbestattungen angetroffen, die apotropäische Vorkehrungen vermuten lassen, mit denen der Schadzauber der Untoten gebannt werden sollte. Hierzu gehören insbesondere Pfählungen, Versteinungen, ungewöhnliche Skelettlagen usw.

Im Rahmen des Vortrages werden instruktive Befunde möglicher Gräber von Wiedergängern oder Nachzehrern vorgestellt und analysiert. Zur Interpretation der zahlreichen Befunde werden außerdem die reichlich vorhandenen volkskundlichenen und historischen Belege herangezogen. Auch heute leben im Bestattungsbrauchtum noch Rituale weiter, deren Wurzel in der Furcht vor Untoten begründet ist.

Der Vortrag findet am 3. März 2016 um 17:00 Uhr im Rahmen der Stammtischvorträge des Stader Geschichts- und Heimatvereins im Insel-Restaurant Stade statt. Der Eintritt ist frei.

Forschung | Zeitstufen: Altsteinzeit / Mittelsteinzeit Bronzezeit Vorrömische Eisenzeit Jungsteinzeit Römische Kaiserzeit Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Daniel Nösler | 13.10.2015 Landkreis Stade

Vortrag „Von Jägern und Sammlern bis zu den Holländern - Die Archäologie des Alten Landes“

Die neuesten archäologischen Entdeckungen aus dem Alten Land wird der Kreisarchäologe Daniel Nösler am 20. Oktober 2015, um 19:30 Uhr, im Restaurant Windmüller in Steinkirchen in seinem Vortrag vorstellen. Wie der Titel „Von Jägern und Sammlern bis zu den Holländern - Die Archäologie des Alten Landes“ vermuten läßt, wird hierbei die Menschheitsgeschichte der letzten 200.000 Jahre bis zum Beginn der Hollerkolonisation beleuchtet. In der Präsentation werden außerdem die neuesten Forschungsergebnisse zur Archäologie der angrenzenden Elbmarschen vorgestellt. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf den aktuellen Funden, die sehr enge Beziehungen zum römischen Imperium belegen.

Auf die historischen Entwicklungen des Naturraumes der Elbe wird ebenfalls eingegangen. Wie war in den Elbmarschen ein Leben ohne die schützenden Deiche überhaupt möglich? Wie verhielt sich der Meeresspiegel in der Vergangenheit?

Der Eintritt ist frei. Nähere Informationen finden Sie hier: www.majestaeten-altesland.de/KV/

Forschung | Zeitstufen: | Daniel Nösler | 30.09.2015 Landkreis Stade

Das Ende einer Odyssee?

Seit dem 12.09.2015 ziert ein prähistorischer Rillenstein den neu gestalteten Platz vor dem Hollenbecker Dorfgemeinschaftshaus. Mit seiner feierlichen Einweihung findet nun (hoffentlich) eine mehr als 100 Jahre dauernde Odyssee des Objekts durch den Landkreis Stade sein Ende.

Um das Jahr 1874 wurde der 1,10 m hohe Rillenstein beim Bau des Hollenbecker Forsthauses entdeckt und zierte dann den dortigen Garten. Zu dieser Zeit wuchs hier der spätere berühmte Archäologe Willy Wegewitz auf - für das spätere Schicksal des Steines ein Glücksfall. Nach dem Tod eines königlichen Försters wurde der Rillenstein mit einer Gedenkinschrift versehen und im Neukloster Forst aufgestellt. Im Laufe der Jahrzehnte geriet der inzwischen umgefallene Stein in Vergessenheit, bis er dort ausgerechnet von Wegewitz wiederentdeckt worden ist. Auf seine Anregung hin gelangte das Objekt 1978 in das neu eröffnete Museum Schwedenspeicher in Stade, wo es bis zur Neugestaltung der archäologischen Dauerausstellung zu besichtigen war.

Rillensteine sind nur schwer zu deuten, da sie nur äußerst selten an ihrem ursprünglichen Standort gefunden wurden. So ist auch für das Hollenbecker Exemplar unklar, aus welchem Kontext und aus welcher Zeit es stammt. Gemeinhin werden die Rillensteine kultisch gedeut, wobei die Interpretationen stark auseinander gehen. Im Umfeld Hollenbecks wurden in Daudieck und Bliedersdorf vergleichbare Kultsteine entdeckt.

Ausgrabung | Zeitstufen: Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Dr. Andreas Schäfer | 28.09.2015 Stade

Ausgrabungen auf der Kreishausbaustelle

Die Erdarbeiten für den Erweiterungsbau des Kreishauses am Sande werden seit 2 Wochen baubegleitend archäologisch untersucht. Dabei konnten bereits interessante Aufschlüsse zum Befestigungsbau der Schwedenzeit (1645-1712) sowie zum Kasernenbau im Jahre 1736 gewonnen werden. Daneben konnten im Nordosten des Baugebietes, nahe der heutigen Einfahrt zur Tiefgarage vermutlich auch noch Reste eines Hauses des 16./17.Jhs. entdeckt werden.  Die hier aufgefundenen Findlingsfundamente gehören zu einem größeren Gebäude und stehen vermutlich in Verbindung mit kurz zuvor entdeckten Backsteinmauern und einem alten Fußboden, der aus einer Backsteinpflasterung bestand. Vieles deutet darauf hin, dass dieses Gebäude bereits dem Stadtbrand von 1659 zum Opfer fiel. Dieses Gebäude könnte somit noch in die Zeit des ehemaligen Marienklosters gehören, das einst auf dem Sande nahe der alten Burgmauer stand. Überreste des Marienklosters wurden bereits  in den 1960er Jahren im Bereich des Gerichtgebäudes ausgegraben.

Besonders für Aufsehen sorgt jedoch der Fund eines unterirdischen schmalen Gewölbeganges, der knapp 3 m unter heutiger Geländeoberkante durch die tiefgreifenden Baggerarbeiten zum Vorschein kam und von West nach Ost, also annähernd parallel zur heutigen Straße, dem Salztorswall verläuft.
Das Gewölbe ist aus Backsteinen gemauert, ist ca. 1,10 m hoch und hat eine Innenbreite von 75 – 80 cm.  Als Bauzeit wird aufgrund des Backsteinformates und des Befundzusammenhanges das 17. oder 18.Jh. angenommen. Dieser schmale Gang führt wahrscheinlich direkt zum sogenannten „Fuchsloch“ ein ebenfalls gemauerter Tunnel, der quer durch den Befestigungswall führt und dessen Ausgang am Pratjeweg schon lange bekannt ist. Das Fuchsloch wurde wohl einst als Poterne angelegt, was in der Festungsbaukunst einen unterirdischen und überwölbten Gang, der quer durch die Krone des Hauptwalles hindurchführt, bedeutet und den Zweck hatte, vor etwaigen Belagerern unbemerkt zu fliehen.  Inwieweit der jetzt aufgefundene Gang dann später vielleicht auch als Abwasserleitung genutzt wurde – wie es in eingen Plänen des 18. Jhs. verzeichnet ist, ist umstritten bzw. bisher nicht genau geklärt. Der Tunnel ist auf jeden Fall begehbar. Angestrebt wird, ihn vor seiner Teilzerstörung durch die jetztige Baumaßnahme noch kurzfristig weitergehend zu untersuchen, vermutlich mit einer eingelassenen Kamera.
Der jetzt entdeckte schmale Tunnel liegt direkt an einem kleinen Erdwall, der u.a. aus einer Kleiaufschüttung besteht, die ebenfalls bei den Baumaßnahmen dokumentiert werden konnte und in alten Bezeichnungen des 19. Jhs. als „Vossebrai beim Reithause“ (Faussebraye = niedriges Erdwerk vorm Hauptwall) bezeichnet wird. Die mächtigen Backsteinmauern des 1820 erbauten Reithauses wurden ebenfalls dokumentiert. Daneben wurden die Fundamente der 1736 erbauten Kasernengebäude aufgedeckt.  Die Baugeschichte des Geländes lässt sich zukünftig auch gut an einem fotografisch dokumentierten Profilschnitt ablesen.
Bauschutt und Brandspuren verweisen immer wieder auf den Brand des Jahres 1712 – der dänischen Belagerung Stades – wobei es den Anschein hat, dass das Material auch von woanders her herangeschafft wurde, um das Gelände künstlich aufzuschütten bzw. zu erhöhen.

| Zeitstufen: Jungsteinzeit | Daniel Nösler | 26.08.2015 Landkreis Stade

Eine Streitaxt aus Ruschwedel

Dieter Goohsen übergab der Kreisarchäologie aus seiner Privatsammlung eine Streitaxt, die er im Jahr 1988 bei der planmäßigen Begehung eines zerstörten Grabhügelfeldes im Gebiet des südlichsten Hügels entdeckt hatte und die wahrscheinlich aus einer zugehörigen Bestattung stammt.

Der Fundort liegt im östlichen Bereich der Gemarkung Ruschwedel, auf der Grenze zu Grundoldendorf. Hier befand sich eine Gruppe von mindestens zwölf Grabhügeln, die z.T. noch auf den modernen Luftbildern als hellere Flecken im Ackerland zu erkennen sind. Sie lagen auf der Spitze einer leichten spornartigen Erhebung, die mit dem Flurnamen „Auf dem Ahnsberge“ bezeichnet ist. Die kleineren Hügel, die wohl der Einzelgrabkultur zuzuordnen sind, wurden nach der Verkoppelung in der Mitte des 19. Jh. zerstört. Zwei größere Monumente, die wahrscheinlich bronzezeitlich waren, sind um 1900 vernichtet worden.

Die Felsgesteinaxt ist aus einem Diabas mit ophitischem Gefüge, mglw. Åsby-Diabas, hergestellt. Die Nackenpartie ist im Vergleich zu den anderen Oberflächen sehr rau. Diese Spuren dürften durch den Gebrauch entstanden sein. Die beiden Schmalseiten sind von der Schneide bis zum Schaftloch feiner geschliffen als die Breitseiten. Im Bereich der Schaftlochverdickung weist die Axt als Verzierung auf der einen Seite vier senkrechte Rillen und auf der anderen Seite fünf senkrechte Rillen auf. Verzierungen an vergleichbaren Stücken dieses Typs sind sonst ausgesprochen selten. An der Schneide finden sich kleinere Beschädigungen.

Es handelt sich typologisch um eine unsymmetrische H-Axt der Einzelgrabkultur nach Brandt 1967, 61 f., mit einer Länge von 14,5 cm und einem Gewicht von 504 g. Das Stück ist vor etwa 4500 Jahren hergestellt und benutzt worden.

| Zeitstufen: | Daniel Nösler | 22.08.2015 Landkreis Stade

10-jähriges Jubiläum der Arbeitsgemeinschaft Archäologie Stade

Die Arbeitsgemeinschaft Archäologie Stade des Stader Geschichts- und Heimatvereins e.V. begeht in diesem Jahr ihr 10-jähriges Jubiläum. Aus diesem Anlaß wird am Donnerstag, dem 3. September 2015 um 19:00 Uhr im Foyer des Neuen Rathauses in Stade eine Fotoausstellung eröffnet.

In den zehn Jahren ihres Bestehens führten die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft zahlreiche ehrenamtliche Aktivitäten durch: Sie halfen bei Ausgrabungen der Kreis- und Stadtarchäologie, führten Prospektionen durch und übernahmen die Pflege von Bodendenkmalen. Auch bei der Aufbereitung und Inventarisierung von Fundgut leisteten sie wertvolle Dienste.

Besonders hervorzuheben ist insbesondere das nunmehr zwei Jahre andauernde, herausragende Engagement bei der Stader Hafengrabung. Mitstreiter der AG halfen bereits bei der Grabung im trockengelegten Hafenbecken und schlämmen seit 2013 sommers wie winters den Schlick nach wertvollen Funden. Dadurch konnten einmalige Zeugnisse der Stader Kulturgeschichte gesichert werden.

Die Arbeitsgemeinschaft trifft sich regelmäßig jeden 2. Montag im Monat 18:30 Uhr im Stader Restaurant Störtebeker in der Salzstraße 15. Archäologieinteressierte sind immer herzlich willkommen.

Ausgrabung | Zeitstufen: Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Daniel Nösler | 20.08.2015 Landkreis Stade

Auf den Spuren von Schiffern und Fährleuten

Silbermünzen, Bierkrüge, Tabakspfeifen – schon damals ließen es sich Schiffer, Fährleute und Passagiere in einem Fährkrug bei Blumenthal direkt an der Oste, einem Nebenfluss der Unterelbe, gut gehen. Das haben Ausgrabungen von Archäologen der Universität Kiel unter Leitung von Dr. Donat Wehner in Kooperation mit der Stader Kreisarchäologie ergeben. Die Forscher stießen auch auf Überreste des Gasthauses und seiner Einrichtung.

Aus historischen Karten war bekannt, dass dieses Gasthaus mindestens von 1768 bis 1874 bestanden hat. Dies war die Blütezeit des Schiffsverkehrs auf der Oste, auf der insbesondere Torf, Getreide, Ziegel und Kohle transportiert wurden.
Diese wichtige Anlaufstation für Schiffer und Reisende lag über Jahrhunderte auf einer heute wüsten, unscheinbaren Wurt direkt am Ostedeich bei Blumenthal. Hier an der „Krughörne“ befand sich eine Anlegestelle für die Schiffe, eine Fähre über den Fluss nach Hechthausen und Reisende bekamen ein Obdach für die Nacht.

Die Grabungen zeigten nun, dass sich an diesem Platz mindestens seit dem ausgehenden Mittelalter ein Krug befunden hat. Allerdings wurde das Haus im Laufe der Jahrhunderte immer wieder von Katastrophen heimgesucht: Deichbrüche und Brände haben im Boden zahlreiche Spuren hinterlassen. Jedoch wurde der Krug immer wieder neu aufgebaut, bis er gegen Ende des 19. Jahrhunderts endgültig aufgegeben wurde. Durch neue Brücken und Chausseen sowie die Eisenbahn verlief der Verkehr nun auf anderen Trassen und Reisende kamen dadurch nur noch selten vorbei.

In der drei Wochen andauernden Grabungskampagne wurden Hunderte Funde gemacht, die den Alltag in einem Rasthaus illustrieren: Koch- und Trinkgefäße aus Keramik, Besteck und Tierknochen sowie Münzen aus Silber und Kupfer. Überraschend war die hohe Zahl importierter Ware, die man zu dieser Zeit eher in herrschaftlichen oder bürgerlichen Haushalten erwarten dürfte. Hierzu gehört beispielsweise Porzellan aus der Königlichen Porzellanmanufaktur Berlin, Fayencen und Steingut. Möglicherweise Luxusgegenstände, die den Kapitänen vorbehalten blieben. Zu einem Wirtshaus gehört der Konsum von Genussmitteln. Davon zeugen die zahlreichen gefundenen Tabakpfeifen, die meist in den Niederlanden hergestellt wurden, sowie frühe Kaffeeservice und Trinkgefäße, aus denen Bier oder Wein gereicht wurde.

Forschung, Ausgrabung | Zeitstufen: Altsteinzeit / Mittelsteinzeit Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit Römische Kaiserzeit Jungsteinzeit Vorrömische Eisenzeit Bronzezeit | Daniel Nösler | 23.07.2015 Landkreis Stade

Neue Publikationen der Kreisarchäologie

Kürzlich sind zwei Publikationen zur niedersächsischen Archäologie mit Beiträgen des Kreisarchäologen erschienen.


In Heft 18 von Archäologie in Niedersachsen stellt Daniel Nösler in seinem Aufsatz Dunkle Geschichte am Elbstrand. Relikte der "Operation Gomorrha" die Funde und historischen Hintergründe zum Trümmerstrand an der Elbe bei Borstel vor.


Die wichtigsten niedersächsischen Ausgrabungen und Funde werden regelmäßig in der Fundchronik im Beiheft der Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte publiziert. Die Kreisarchäologie hat für das Jahr 2013 21 interessante Beiträge von A wie Apensen bis W wie Wohlerst beigesteuert. Sie umfassen zeitlich den Rahmen von der Mittelsteinzeit bis zur Gegenwart.

Ausgrabung | Zeitstufen: Bronzezeit | Daniel Nösler | 30.05.2015 Landkreis Stade

Ein seltener Fund aus Agathenburg

Alexander Benn meldete der Kreisarchäologie ein bronzenes Tüllenbeil, das die Mutter seines ehemaligen Nachbarn vor Jahrzehnten bei der Ernte auf einem Kartoffelroder gefunden hatte. Der Fundplatz bei Agathenburg konnte anhand eines Luftbildes lokalisiert werden und liegt auf einer leichten Geländekuppe, die ehemals an drei Seiten von Mooren umgeben war.

Das sehr gut erhaltene Exemplar ist den „Tüllenbeilen mit glockenförmig abgesetzten Breitseiten ohne Rippen unterhalb des Mündungswulstes und mit Öse, Variante Plaggenburg“ nach Laux (2005, 40 ff.) zuzuordnen. Die Oberfläche zeigt kaum Korrosion wie es heute bei archäologischen Bronzefunden durch chemische Einflüsse von Düngung und Bodenversauerung leider häufig der Fall ist. Das Stück ist 7 cm lang und an der Schneide 4,9 cm breit. Die Gussnaht ist an den Schmalseiten gut zu erkennen. Auf der Oberfläche finden sich zahlreiche Schleifspuren, die wahrscheinlich von der Überarbeitung des Beiles nach dem Guß zeugen.

Mit dem nun gemeldeten Objekt wurde zum ersten Mal ein Beil dieser Form im östlichen Elbe-Weser-Dreieck gefunden. Der Verbreitungsschwerpunkt vergleichbarer Beile liegt in Niedersachsen zwischen Weser und Ems. Datiert wird dieser Typ in die Perioden V und VI der nordischen Bronzezeit (950-550 vor Christus). Mit dem neuen Fund sind nun acht jungbronzezeitliche Tüllenbeile aus dem Gebiet des Landkreises Stade bekannt, deren Vorkommen interessanterweise einen Schwerpunkt an der Geestkante zwischen Agathenburg und Horneburg bildet. Hier sind allein fünf Exemplare zu verzeichnen. Hinzu kommt ein Altfund aus der Elbmarsch bei Estebrügge.

Übrigens: In der archäologischen Dauerausstellung können Sie sich in der Bronzezeitabteilung die verschiedenen Formen bronzezeitlicher Beile ansehen. Sie zeugen nicht nur von der hochentwickelten Handwerkskunst der damaligen Zeit, sondern belegen vielfach überregionale Handelsnetzwerke.

Ausgrabung | Zeitstufen: Bronzezeit Vorrömische Eisenzeit Römische Kaiserzeit Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit Jungsteinzeit | Daniel Nösler | 25.05.2015 Landkreis Stade

Die größte Grabung im Landkreis Stade

Schon vor 3.000 bis 2.500 Jahren war der Raum zwischen Harsefeld und dem Urwald „Braken“ ein begehrtes Wohngebiet. Archäologen der Grabungsfirma ArchaeoFirm, die im Auftrag des Landkreises Stade ein künftiges Baugebiet untersuchen, haben hier Spuren einer Siedlung der Bronze- und Eisenzeit gefunden.

Unter Leitung der Archäologin Freia Tröger hat das Forscherteam auf einer Fläche von rund 4,5 Hektar spannende Entdeckungen gemacht. Es handelt sich damit um die flächenmäßig größte Ausgrabung, die jemals im Landkreis Stade durchgeführt worden ist.

Die meisten Befunde stammen von einer Siedlung der jüngeren Bronzezeit und älteren Eisenzeit (1.000-500 v. Chr.). Zu dieser Zeit hat hier über längere Zeit ein größeres Dorf bestanden. Dokumentiert wurden eine Vielzahl von Brunnen, Zisternen, Gruben, Pfosten und Feuerstellen, die z.T. außergewöhnlich viel und sehr gut erhaltene Keramik erbracht haben. Darunter auch solche Formen, die bislang in unserem Raum noch nicht gefunden worden sind. Herausragend ist ein Stempel aus Keramik. Solche Stücke gibt es bislang aus dieser Zeit in Norddeutschland noch überhaupt nicht. Möglicherweise ist dieses Stück ein Beleg für Kontakte nach Süddeutschland oder in den Balkanraum.

Weiterhin wurden Hinterlassenschaften (darunter eine Fibel) aus der Kaiserzeit (100-200 nach Christus) aufgedeckt, die als Siedlung zu dem berühmten langobardischen Gräberfeld in der Ortsmitte gedeutet werden kann.

Eine Schmuckstück aus dem 5. Jahrhundert zeigt eindrucksvoll die Auswirkungen der Völkerwanderungszeit. Sachsen, auch aus dem Stader Raum, waren nach dem Zerfall des Römischen Reiches maßgeblich an der Besiedlung Englands beteiligt. Sie bildeten dort angelsächsische Königreiche. Daher findet man genau identische Fibeln auch auf der britischen Insel.

Dass bei Harsefeld schon vor über 5.000 Jahren von Menschen lebten, beweist ein jungsteinzeitliches Beil aus Feuerstein.

Einen ersten publizierten Vorbericht über die Grabungsergebnisse finden Sie hier.

 

Forschung | Zeitstufen: Bronzezeit Jungsteinzeit | Daniel Nösler | 26.03.2015 Landkreis Stade

Toteninsel modern erforscht

Seit fast einhundert Jahren gibt das Moor zwischen Hammah und Groß Sterneberg immer wieder Geheimnisse preis. Im Nordteil einer Sandinsel kam im Jahr 1913 ein Megalithgrab zum Vorschein, da das umliegende Moor zur Torfgewinnung entwässert worden war. Durch die zunehmende Moorsackung wurden in den folgenden Jahrzehnten außerdem bronzezeitliche Hügelgräber sichtbar, von denen man einige in den Jahren 1948 und 1983 ausgegraben hat. An Beigaben fanden sich u.a. Bronzedolche, eine bronzene Pinzette, eine Bronzefibel und Feuersteinpfeilspitzen.

Die einzigartige Fundlandschaft bei Hammah bezeugt den Klimawandel der vergangenen Jahrtausende, denn durch das nacheiszeitliche Ansteigen des Meeresspiegels erhöhte sich im Binnenland der Grundwasserspiegel und das Klima wurde feuchter. Dies war der Ausgangspunkt für das Wachstum der ausgedehnten Moore auch in Kehdingen. Um das Alter der Torfschichten zu klären, wurden zusammen mit dem Niedersächsischen Institut für historische Küstenforschung Pollenanalysen durchgeführt. Das umliegende Hochmoor begann vor mehr als 7000 Jahren zu wachsen und umschloss ab 750 v. Chr. vollständig die Grabmonumente.

Um weitere eventuell noch unter den Torfschichten verborgene Grabanlagen aufzuspüren, wurde die Toteninsel durch Studenten der HafenCity Universität Hamburg unter der Leitung von Prof. Thomas Kersten mit einem hochauflösenden Laserscanner vermessen. Durch dieses Verfahren lassen sich auch kleinste Erhebungen zentimetergenau darstellen, die im Gelände kaum noch wahrnehmbar sind. Das Meßbild läßt vier Grabhügel sicher erkennen, zwei weitere sind zu vermuten.

Ausgrabung | Zeitstufen: Römische Kaiserzeit Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Daniel Nösler | 15.03.2015 Landkreis Stade

Ein Wohngebiet der Altsachsen

Bei Erschließungsarbeiten für ein Wohngebiet in Groß Fredenbeck wurden in den 1990er Jahren Teile einer Siedlung der Völkerwanderungszeit dokumentiert. Von den damals geborgenen Funden ist insbesondere die in einem völkerwanderungszeitlichen Brunnen geborgene hölzerne Leiter hervorzuheben, die Sie hier in der Ausstellung bewundern können. Im Vorfeld eines weiteren Neubaugebietes wurden bei einer von ArchaeoFirm durchgeführten Ausgrabung erneut über 400 Befunde aufgedeckt. 330 davon sind Pfostengruben, die sich zu mehreren Langhäusern rekonstruieren lassen. Neben den Langhäusern sind auch vier Grubenhäuser und ein kleinerer Hausgrundriss mit umlaufendem Wandgräbchen nachgewiesen.

Ein 3,20 m durchmessender, im Profil trichterförmiger, über 2,00 m tiefer Brunnen stellte die Wasserversorgung der Siedlung sicher. Aus der Brunnenverfüllung konnte ein halber Mühlstein geborgen werden, aus einer Grube kamen weitere Mühlsteine zutage. Neben Gräbchen, flachen Brandgruben und teils sehr keramikhaltigen Abfallgruben wurden auch zwei Gruben dokumentiert, die möglicherweise als Steinlager zur Mühlsteinherstellung genutzt wurden.

Das umfangreiche Keramikinventar weist auf eine Besiedlung von der Römischen Kaiserzeit bis zur Völkerwanderungszeit hin. Bei Detektorbegehungen fanden sich u.a. zwei völkerwanderungszeitliche Fibeln, ein Armringfragment und ein Bleispinnwirtel.

In der Nordhälfte ziehen neuzeitliche Wegespuren von Südwesten nach Nordosten über die Grabungsfläche und überlagern oder stören die älteren Befunde. Sie gehören zu einer älteren Wegeverbindung, die in Richtung Stade geführt hat und von der sich eindrucksvolle Hohlwegspuren an einer ehemaligen Furt über den Deinster Mühlenbach erhalten haben.

Zwei Vorberichte zu den Grabungen finden Sie hier und hier.

Forschung | Zeitstufen: Jungsteinzeit | Daniel Nösler | 25.02.2015 Landkreis Stade

Ein Gast aus Helgoland

In vielen Privatsammlungen und Heimatmuseen befinden sich archäologische Objekte von sehr hohem wissenschaftlichen Wert. Daher werden diese Funde derzeit durch die Kreisarchäologie Stade Schritt für Schritt erfasst und wissenschaftlich ausgewertet. Auch im "Heimathus op de Heidloh" in Kutenholz werden einige herausragende Funde wie Flintbeile, Steinäxte und Feuersteindolche ausgestellt, die derzeit für das Archäologische Archiv aufgenommen werden.

Ein Flintdolch aus Kutenholz verdient besondere Erwähnung, da er aus einem besonderen Rohstoff gefertigt wurde. Es handelt sich um den sogenannten Helgoländer Plattenflint, der nur auf der Insel Helgoland vorkommt und durch charakteristische Einschlüsse gekennzeichnet ist. Der Feuersteindolch (Typ IB nach Kühn) wurde in der späten Jungsteinzeit hergestellt und ist somit mehr als 4.000 Jahre alt. Diese fein gearbeiteten Geräte zeugen von der in der damaligen Zeit hochentwickelten Flinttechnologie.

Helgoland war bereits vor mehr als 12.000 Jahren Ziel von Menschen, die dort insbesondere nach dem begehrten roten Helgoländer Flint suchten, um aus ihm Werkzeuge herzustellen. Diese einzigartige Feuersteinvarietät ist eine geologische Besonderheit, die wie der Plattenflint nur auf Helgoland vorkommt und sich daher ideal zum Nachweis von Handelsnetzwerken eignet. Konnte man die Insel anfangs noch auf dem Landweg erreichen, machte der nach der Eiszeit rasant ansteigende Meeresspiegel aus den Felsen eine Hochseeinsel, die nur noch auf dem Seeweg zu erreichen war. Aus dem roten Feuerstein wurden vom Spätpaläolithikum bis in die Eisenzeit wunderschöne Geräte hergestellt, die man von den Niederlanden, über Deutschland bis nach Dänemark gefunden hat. Weitere Informationen finden Sie hier und hier.

Forschung | Zeitstufen: Römische Kaiserzeit Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Daniel Nösler | 25.02.2015 Landkreis Stade

Vortrag "Römer - Germanen - Wikinger"

Der Kreisarchäologe Daniel Nösler wird am 18. März 2015, um 19:00 Uhr, mit seinem Vortrag "Römer - Germanen - Wikinger" die Reihe der "Speichergespräche" im Kornspeicher Freiburg eröffnen. In der Präsentation werden die neuesten Forschungsergebnisse zur Archäologie Kehdingens vorgestellt. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf den aktuellen Funden, die sehr enge Beziehungen zum römischen Imperium belegen. Während des Frühmittelalters bleibt die Elbmündung weiterhin im Fokus auch der Wikinger.

Auf die historischen Entwicklungen des Naturraumes der Elbe wird ebenfalls eingegangen. Wie war in den Elbmarschen ein Leben ohne die schützenden Deiche überhaupt möglich? Wie alt sind die Kehdinger Dörfer?

Nähere Informationen finden Sie hier: www.kornspeicher-freiburg.de/veranstaltungen/

Forschung | Zeitstufen: Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Daniel Nösler | 24.02.2015 Landkreis Stade

Neue Forschungen in Oederquart

Die Geschichte des Dorfes Oederquart in Nordkehdingen lässt sich durch neue archäologische Funde etwa 1900 Jahre zurückverfolgen. Zu dieser Zeit existierten noch keine Deiche, d.h. die damaligen Bewohner der Elbmarsch waren den Sturmfluten relativ schutzlos ausgeliefert. Da die fruchtbaren Marschenböden reiche Erträge versprachen, zog es seit mehr als 2000 Jahren Siedler in die unbedeichten Gebiete zwischen Oste und Elbe. Wenn es der steigende Meeresspiegel erforderlich machte, wurden zum Schutz auch künstliche Wohnhügel – die Wurten – errichtet.

Einer dieser Wurten verdankt auch das im Jahr 1331 erstmalig erwähnte Oederquart seinen Namen. Noch heute haben sich drei dieser künstlichen Wurten erhalten: eine kleinere Wurt liegt im ausgedehnten Gutspark von Oerichsheil. Seit Jahrhunderten vermutet man hier den Standort der sagenhaften Marienkapelle, zu der im Mittelalter Wallfahrten durchgeführt wurden. Allerdings wurden bislang noch keine eindeutigen Spuren dieses Bauwerkes entdeckt.

Um dieses Rätsel klären zu können, wurden kürzlich durch ein Team vom Institut für Ur- und Frühgeschichte der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel geomagnetische Messungen in der weitläufigen Gutsanlage durchgeführt. Mit dieser Methode lassen sich bei günstigen Bedingungen Strukturen wie Gebäude, Gräben oder Priele im Boden erkennen, ohne dass Erdeingriffe nötig sind.

Auch wenn Oederquart sich heute weit im Hinterland der Elbe befindet, war der Ort vor mehr als 1000 Jahren noch durch einen schiffbaren Priel mit der Elbe verbunden. Auf diesem Wege gelangten beispielsweise die bei Oederquart gefundenen römischen Münzen hierher. Daher steht Oederquart auch im Fokus eines internationalen Forschungsprojektes, das sich den frühen Häfen widmet. Ein Team des Niedersächsischen Instituts für historische Küstenforschung aus Wilhelmshaven hat im Rahmen des Projektes im Februar 2015 ebenfalls geomagnetische Messungen durchgeführt, die derzeit ausgewertet werden.

Forschung | Zeitstufen: Bronzezeit | Dr. Sebastian Möllers | 11.02.2015 Museen Stade

Bronzerad aus der Restaurierung zurück

Rad II der berühmten Stader Bronzeräder war sechs Monate lang in den Werkstätten und Laboren des RGZM. Es handelt sich um das einzige Rad, das noch nicht zusammengesetzt und rekonstruiert wurde. In Mainz haben die Restauratoren nun alle Einzelteile abgeformt und auf dieser Basis exakte Kopien erstellt. Diese wurden dann zu einem vollständigen Rad zusammengesetzt. Parallel zu den Rekonstruktionsarbeiten wurden naturwissenschaftliche Untersuchungen an dem Rad vorgenommen. Nach wie vor setht die spannenden Frage im Raum, woher die Rohstoffe stammten, ob die Räder im Stader Raum gefertigt wurden oder aus dem Süden importiert sind. Ähnliche Fragestellungen bewegten bereits die Forscher vor fast 100 Jahren. 1926 wurde das Rad teileweise sogar zersägt, um in der Reichs-Materialprüfungsanstalt Berlin-Dahlem genaueres über die Zusammensetzung des Rades zu erfahren. Damals wurden Dünnschliffe hergestellt und mikroskopiert.
Heute sind die Untersuchungsmethoden deutlich weniger inversiv. Noch stehen liegen nicht die abschließenden Untersuchungsergebnisse vor. Wir werden auf jeden Fall an dieser Stelle aktuell darüber berichten.

Das Rad ist allerdings nun zurück in Stade und kann sowohl in seinen EInzelteilen, als auch in Form der exakten zusammengesetzen Kopie in der neuen archäologischen Ausstellung bewundert werden.

Gefördert wurde das Restaurierungs- und Forschungsvorhaben durch die Kulturstiftung der Länder.

Forschung | Zeitstufen: Jungsteinzeit | Daniel Nösler | 24.01.2015 Landkreis Stade

Eine rätselhafte Wallanlage

In einem Moorgebiet bei Oersdorf befindet sich die älteste Wallanlage des Landkreises Stade, die immer noch viele Rätsel aufgibt. In den letzten Jahren wurde dieser Platz mit verschiedenen Methoden erforscht: Hierzu gehörten geomagnetische Messungen, ein terrestrischer Laserscan, pollenanalytische Untersuchungen, die Auswertung historischer Luftbilder und eine archäologische Ausgrabung.

Die Forschungen an der stark zerstörten Wallanlage wurden auch im Jahr 2014 weiter fortgesetzt. Die unter Grünland befindliche Hauptfläche sollte umgebrochen und dabei die Reste der Wall-Graben-Konstruktion eingeebnet werden. Es konnte erreicht werden, dass ein ca. 25 m breiter Streifen des Wallbereiches von der Bearbeitung ausgespart blieb. Zu diesem Zeitpunkt wurde durch den Stader Luftbildfotografen Martin Elsen eine Reihe von Luftaufnahmen durchgeführt. Durch das ausgezeichnete Schräglicht eines klaren Dezembertages wurden die stark überpflügten Strukturen sehr gut sichtbar.

Auf der umgebrochenen und abgeregneten Fläche wurden durch Mitarbeiter der Kreisarchäologie eine Oberflächenprospektion und eine Begehung mit der Metallsonde durchgeführt, um datierendes Fundmaterial zu gewinnen. Die Fundobjekte auf der ca. 2,2 ha großen begangenen Fläche wurden alle mit einem GPS einzeln eingemessen. Es traten einige urgeschichtliche Feuersteinartefakte auf, darunter Abschläge, eine Klinge und zwei Schaber.

Zusammenfassungen der Forschungen der letzten Jahre finden Sie hier: Artikel 1, Artikel 2 und Artikel 3.

Forschung | Zeitstufen: | Daniel Nösler | 23.01.2015 Landkreis Stade

Relikte der "Operation Gomorrha"

In diesem Jahr wird am 8. Mai der 70. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges begangen. An diesem Tag endete in Europa der zerstörerischste und verlustreichste Konflikt der Menschheitsgeschichte, der sich durch sein gewaltiges Ausmaß und seine schrecklichen Folgen tief in das kollektive Gedächtnis eingebrannt hat.

„Starke feindliche Bomberverbände setzten ihre Terrorangriffe in der vergangenen Nacht gegen die Stadt Hamburg fort. Es entstanden weitere Verwüstungen und zum Teil ausgebreitete Brände in mehreren Stadtteilen. Die Bevölkerung erlitt wieder Verluste.“ So lapidar beschrieb der Bericht des Oberkommandos der Wehrmacht am 28. Juli 1943 den bis dahin verheerendsten Angriff in der Geschichte des Luftkrieges, bei dem im Feuersturm allein über 30.000 Menschen ihr Leben verloren und ganze Hamburger Stadtteile vollständig zerstört wurden.

Die Angriffe der „Operation Gomorrha“ hinterließen in Hamburg 23 km² totalzerstörte Stadtfläche und vernichteten 253400 Wohnungen (56 % des Vorkriegsbestandes). 43 Millionen Kubikmeter Schutt musste geräumt werden. Mit Binnenschiffen schaffte man die Trümmer teilweise auch in das Hamburger Umland, wo damit das Elbufer befestigt wurde.

Bei Niedrigwasser gibt der Elbstrand noch heute zahllose Artefakte des Luftkrieges frei. Die Relikte des alten, 1943 untergegangenen Hamburgs bilden hier ein bedrückendes Freiluftmuseum. Große Fassadenteile zeugen von der ehemaligen Pracht der Stadt. Die düstere Szenerie wird durch Laternenmasten, Heizkörper, Maschinenteile, bizarr verbogene Stahlträger, Bunkerfragmente und große Granitquader von Kirchen, Brücken und Kaimauern verstärkt. Im Schutt finden sich auch zahlreiche zu seltsamen Formen zerschmolzene Objekte, die auf den Feuersturm der „Operation Gomorrha“ hindeuten. Hierzu gehören beispielsweise eine zusammengeschmolzene Glasperlenkette und Hunderte durch die Gluthitze des Feuersturms zusammengebackene gläserne Spielwürfel. Als ein Mahnmal gegen den Krieg befinden sich hier zersprengt und geschmolzen die Inventare Tausender Wohnungen.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Forschung | Zeitstufen: Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Daniel Nösler | 23.11.2014 Landkreis Stade

Die Burg des "Isern Hinnerk"

Der Flecken Horneburg entstand als Burgsiedlung einer im Jahr 1255 durch den Bremer Erzbischof Gebhard II. errichteten Niederungsburg, die durch einen Arm der Lühe vollständig von Wasser umgeben war. Bedeutende Adelsfamilien wie die von Borch, von Schulte, von der Osten und von Düring hatten hier ihren Sitz. Mehrfach war die Befestigung Schauplatz von Fehden und Feldzügen, so beispielsweise im Jahr 1311, als die Burg durch ein Heer des Bremer Erzbischofs Jens Grand belagert wurde. Ziel des Angriffs war es den legendären Ritter Heinrich von Borch, genannt Isern Hinnerk, zu fassen. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die durch die moderne Militärtechnik bereits bedeutungslos gewordene Burg vollkommen zerstört.

Im Herbst des Jahres 2014 wurde der stark verlandete Umfassungsgraben der Horneburg ausgebaggert. Diese Arbeiten wurden durch die Archäologische Denkmalpflege des Landkreises Stade fortlaufend begleitet. Dabei konnten in einem Abschnitt des Grabens zwei parallele Pfostenreihen beobachtet werden, die wahrscheinlich zu einer Brückenkonstruktion gehört haben dürften. Die Hölzer verblieben in situ, daher konnten keine Proben zur Altersbestimmung gewonnen werden.

Mit Genehmigung des Grundstückseigentümers wurde der Innenraum der Burg zusammen mit ehrenamtlichen Sondengängern mit Metalldetektoren untersucht. Es fanden sich unter anderem Musketenkugeln und geschmolzene Objekte, die auf die Katastrophe des Dreißigjährigen Krieges hindeuten.

Ausgrabung | Zeitstufen: Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Daniel Nösler | 18.11.2014 Landkreis Stade

Das alte Dorf Oldendorf

Seit mehr als sechs Jahren führt die Kreisarchäologie umfangreiche Forschungen um und in der Oldendorfer Kirche St. Martin durch. In den Jahren 2009-2010 fanden in unmittelbarer Nachbarschaft der romanischen Kirche großflächige Ausgrabungen statt, denn auf dem erst 1871 entwidmeten Kirchhof sollte ein großer Verbrauchermarkt entstehen. Aus der Frühzeit des Ortes stammt die erste Belegungsphase mit zahlreichen Kopfnischen- und Sarggräbern, die nach den 14C-Daten im 11. Jh. begann. In allen neuzeitlichen Kindergräbern wurde ein mehr oder minder umfangreicher Kopfschmuck festgestellt. Ganz offensichtlich war es in Oldendorf noch bis weit in die zweite Hälfte des 19. Jh. der Brauch, Kleinkindern, Mädchen und ledigen jungen Frauen eine Totenkrone mit in das Grab zu geben.

Die anthropologischen Ergebnisse sind erschütternd und werfen ein trauriges Bild auf die Lebenswirklichkeit vor etwa 150 Jahren. Durch die einseitige Ernährung, die vorwiegend aus Getreidebrei bestand, waren bei vielen Kindern Mangelerscheinungen zu beobachten. Die Folge waren eine geringe Körpergröße, verzögerte Entwicklung und erhöhte Anfälligkeit für Infektionskrankheiten. Die Kindersterblichkeit lag mit 50 % äußerst hoch, d.h. jedes zweite Kind starb vor dem Erreichen des 6. Lebensjahres. Besonders stark waren die Atemwegserkrankungen verbreitet, die bei mehr als der Hälfte der Bestatteten schwere Schäden in Nasen- und Kieferhöhlen hinterlassen hatten. Dies ist insbesondere auf die damaligen katastrophalen Wohnverhältnisse in den mit offenen Torffeuern beheizten Häusern zurückzuführen.

Im Jahr 2014 ergab eine umfassende Sanierung der Kirche die Möglichkeit, den Innenraum durch Georadarmessungen zu untersuchen. Dabei wurden die Apsis eines Vorgängerbaus, Grüfte und weitere Baubefunde entdeckt.

Forschung | Zeitstufen: Altsteinzeit / Mittelsteinzeit Bronzezeit Vorrömische Eisenzeit Jungsteinzeit Römische Kaiserzeit Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Daniel Nösler | 14.11.2013 Landkreis Stade

FundSache

FundSache - Archäologie zwischen Oste und Elbe
Daniel Nösler / Andreas Schäfer (Hrsg.): FundSache - Archäologie zwischen Oste und Elbe. Drochtersen 2013, MCE-Verlag Drochtersen, 192 Seiten, 205 Abbildungen, ISBN 978-3-938097-29-8, 22,50 Euro

Erleben Sie ein Stück Vergangenheit – unter diesem Motto haben sich namhafte Archäologen und Historiker zusammengetan und ein reich bebildertes Buch geschaffen, in dem die wichtigsten „Fundsachen“ zwischen Oste und Elbe vorgestellt werden. Im Stader Raum befindet sich eine Vielzahl überregional bedeutender archäologischer Fundorte. Großsteingräber der Steinzeit, Grabhügel der Bronzezeit sowie mittelalterliche Wurten, Deiche und Burganlagen prägen die Landschaft zwischen Oste und Elbe. Einige Fundplätze wie beispielsweise das große sächsische Gräberfeld von Issendorf werden seit Jahrhunderten erforscht, andere wie die Schwedenschanze bei Groß Thun in Stade rückten erst in den letzten Jahren in den Fokus der Archäologie.

Seit über 30 Jahren werden die archäologischen Denkmale und Funde des Landkreises Stade sowie der Städte Buxtehude und Stade durch eine hauptamtliche Denkmalpflege geschützt und erforscht. Erstmalig werden die z. T. außergewöhnlichen Ausgrabungen und Funde der letzten Jahrzehnte zusammenfassend vorgestellt. Mit dem Buch können sich die Leser auf eine Zeitreise durch Zehntausende von Jahren begeben: Vom Homo erectus bis in die Gegenwart.

Nach Einführungen zur Archäologie, zum Naturraum und zur Geschichte des Landkreises Stade werden in 49 reich bebilderten Kapiteln die bedeutendsten Funde von der Steinzeit bis zur Gegenwart vorgestellt.

Das von insgesamt 17 Autoren verfasste Werk richtet sich nicht allein an Fachwissenschaftler sondern vielmehr auch an die kulturhistorisch interessierte Öffentlichkeit. Erhältlich im Buchhandel, bei der Kreissparkasse Stade und hier im Museumsshop.

Ausgrabung | Zeitstufen: Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Dr. Andreas Schäfer | 10.11.2013 Stade

Schnitt in die Hansezeit - die zweite Stader Hafengrabung von 2013

Im Spätsommer 2013 wurden im Zuge von Sanierungsarbeiten an der Hudebrücke mit archäologischen Ausgrabungen an einer zentralen Stelle des Alten Hafens begonnen. Direkt unter dem Tretkran am Fischmarkt konnte mit Hilfe mehrerer stählerner Schachtkasten der Untergrund des mittelalterlichen Hafenbeckens bauvorbereitend untersucht werden. Zugleich bestand und besteht noch weiterhin die Möglichkeit,  die Baukonstruktion der Hudebrücke zu dokumentieren, die am Ende des 19. Jahrhunderts erneuert wurde und  - wie der Kran – bereits seit dem 13. Jahrhundert schriftlich bezeugt ist.
Entsprechend der Hafengrabung des Jahres 1989 war die Funddichte wieder verblüffend hoch. Erneut wurden bei den Schlämmvorgängen Hunderte von Münzen und Bleiplomben gefunden sowie viele andere wertvolle Kleinfunde. Noch sind nicht alle Grabungsergebnisse ausgewertet, doch zeigen sich schon jetzt sehr interessante und zum Teil überraschende Resultate, von denen in Verbindung mit der  Hafengrabung des Jahres 1989 ein weitgehend vollständiges und schlüssiges Bild zur Stader Hafenentwicklung zu erwarten ist.
Besonders spannend gestaltete sich die Dokumentation der tief liegenden Profile in den Schachtkästen, die nach der Datierung der Pingsdorfer Keramik noch bis in das  10. Jahrhundert zurückreichen. Der anstehende Boden steht bei etwa  – 3 m unter NN an. Erste Ergebnisse weisen auf einen ursprünglich anderen Schwingeverlauf – Richtung Fischmarkt und Salzstraße - hin, und bestätigen somit frühere Vermutungen sowie Rekonstruktionen. Erst ab dem 13. Jahrhundert scheint der Schwingeverlauf zur Hudebrücke umgeleitet worden zu sein.