Ausgrabung Aktuell

Der Archäo-Blog für die Region rund um Stade. Hier erfahren Sie stets, was es für Neuigkeiten rund um das Thema Archäologie gibt. Stadt- und Kreisarchäologie berichten gemeinsam mit dem Museum über neue Forschungen, Funde und aktuelle Ausgrabungen.

| Zeitstufen: Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Daniel Nösler | 26.05.2018 Landkreis Stade

Die Wikinger kommen!

An diesem Wochenende findet Jork an einem neugebauten Ringwall wieder der beliebte Wikingermarkt statt. Diese Veranstaltung gibt Anlaß, einmal die historischen Zeugnisse der Wikinger an der Niederelbe zu betrachten.

Im Jahr 845 fuhren angeblich 600 Wikingerschiffe gen Hamburg, wo die Hammaburg Ziel des Feldzuges war. Im Juni 994 ist ein weiterer Flottenüberfall überliefert. Diesmal waren die Flußmündungen von Elbe und Weser das Ziel. Es hat sich wohl um eine Streitmacht des Dänenkönigs Sven Gabelbart gehandelt, von der ein Teil das westliche Weserufer heimgesucht hat. Der Versuch dieser Krieger, über Land zur Elbe zu gelangen, endete in einer vernichtenden Niederlage durch ein Heer des sächsischen Herzogs Bernhard Billung. Weniger Glück hatten die eilig zusammengewürfelten Truppen der Udonen, die damals in ihrer gräflichen Burg in Harsefeld residierten. Über die Schlacht bei Stade am 23. Juni 994 berichtet der Chronist Adam von Bremen: "Der Kampf war schwer, denkwürdig und sehr unglücklich." Die Udonen mußten als Folge ihrer Niederlage namhafte Geiseln stellen und eine immense Menge Silber als Lösegeld zahlen.

Der Grafenbruder Siegfried konnte jedoch entkommen und nach Harsefeld fliehen. Die Wikinger nahmen daraufhin grausame Rache, über die der Zeitgenosse Thietmar von Merseburg berichtet: "Als sie ihn nicht fanden, raubten sie den Frauen gewaltsam die Ohrringe und kehrten niedergeschlagen um. In ihrer Wut schnitten sie am nächsten Tag dem Priester, meinem Vetter und allen übrigen Geiseln Nasen, Ohren und Hände ab und warfen die Verstümmelten in den Hafen. Dann machten sie sich davon. Die Geiseln wurden von den Ihren geborgen, und es erhob sich unendlicher Jammer."

Auch archäologische Spuren haben die Wikinger in unserem Gebiet hinterlassen. Einige Waffen aus den Flüssen Schwinge und Elbe könnten mit ihren Überfällen zusammenhängen. In der Stader Altstadt wurde außerdem im Jahr 1977 ein wertvoller Silberarmreif gefunden, der vielleicht einem in den Kämpfen des Jahres 994 gefallenen Krieger mit ins Grab gegeben worden ist. Bei der Ausgrabung der Grablege der Udonen in Harsefeld hat man möglicherweise eine von den Wikingern verstümmelte Geisel identifiziert. Eine seltene Wikingerfibel wurde kürzlich durch unseren ehrenamtlichen Mitarbeiter Torben Schuback bei Horneburg entdeckt. Auf friedliche Kontakte könnten zerhackte Silbermünzen hindeuten, die auf einem alten Handelsplatz bei Freiburg/Elbe geborgen wurden, und damit Handelskontakte in den Ostseeraum belegen.

| Zeitstufen: Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Daniel Nösler | 25.05.2018 Landkreis Stade

Katastrophe hinterläßt eine Idylle

Hunderte Kilometer Deiche schützen heute die fruchtbaren Flussmarschen von Elbe und Oste verlässlich vor den immer wiederkehrenden Sturmfluten. Der aufmerksame Besucher wird im Alten Land, in Kehdingen und in der Ostemarsch jedoch eine Vielzahl von Stillgewässern entdecken: Mal klein und kreisrund oder auch von beeindruckender Größe. Sie zeugen vom ewigen Ringen des Menschen gegen die Gewalt der Wassermassen – und von seinem Scheitern in historischer Zeit. Es handelt sich um sogenannte Bracks oder Kolke, die durch die enorme Kraft des bei schweren Sturmfluten durch den Deich brechenden Wassers entstanden sind.

Auch wenn die Grundfläche der Bracks vielfach relativ klein ist, erreichen sie beachtliche Tiefen von bis zu 26 Metern und nicht zuletzt dadurch haben sich viele dieser Sturmflutzeugen bis heute erhalten. Diese Kolke sind vielfach als Kulturdenkmale und Naturschutzgebiete geschützt, da sie zum einen interessante Relikte der Deich- und Sturmflutgeschichte darstellen und zum anderen sich zu wertvollen Biotopen entwickelt haben.

In Krummendeich führten Sturmfluten zur Entstehung eines Zwillingsbracks. Die Weihnachtsflut des Jahres 1717 ließ den Deich brechen und zurück blieb das westlich gelegene Brack. Während der schweren Februarflut von 1825 sollte sich diese Katastrophe in einem größeren Ausmaß wiederholen. Die Folge waren ein weiterer Bruch und ein noch größeres, sehr tiefes Brack, in dem zwei Bauernhöfe versanken.

Heute, fast 200 Jahre später, lädt das Gewässer zur Abkühlung und Erholung ein. Ein Förderverein betreibt hier ein idyllisches Naturfreibad, welches von Mai bis August geöffnet hat. Nähere Informationen finden Sie hier.

Forschung | Zeitstufen: | Daniel Nösler | 23.05.2018 Landkreis Stade

Rätselhaftes Erdwerk im Rüstjer Forst wird vermessen

An einem Moor im Rüstjer Forst waren dem Grabungstechniker Dietrich Alsdorf vor einigen Jahren rätselhafte Strukturen aufgefallen. Unweit eines prähistorischen Grabhügels hatte er zwei parallele Wälle mit Gräben entdeckt, die teilweise vom Moor überwachsen sind. Die stark verschliffene Struktur verläuft hier bogenförmig durch einen lichten Kiefernwald.

Der Rüstjer Forst ist ein sehr junger Wald. Er ist erst vor rund 150 Jahren entstanden, als das hier befindliche große Heidegebiet und die wüsten Altäcker des untergegangenen Dorfes Rüstje planmäßig aufgeforstet wurden. Die partielle Überdeckung des Erdwerkes mit Torfen lässt ein prähistorisches Alter vermuten, auch finden sich auf historischen Karten keinerlei Hinweise auf eine hier verzeichnete Struktur.

Um den Befund im dichten Unterholz vollständig erfassen zu können, wurde zunächst das aus den LIDAR-Daten erzeugte Geländemodell untersucht. Diese durch flugzeuggestützte Lasermessungen gewonnenen Höhendaten erlauben einen detaillierten Blick durch die Vegetation. Tatsächlich lässt sich auf dem Geländemodell verschwommen eine weitere bodenförmige Struktur erkennen, sodass hier wohl ein annähernd kreisförmiges Erdwerk vermuten lassen.

Im Rahmen eines Praktikums wurde die Anlage unter der Leitung von Maren Lindstedt durch Studenten der HafenCity Universität Hamburg mit einem terrestrischen Laserscanner vermessen. Diese Methode erlaubt einen noch genaueren Blick auf die rätselhaften Strukturen, die im Wald und unter Moor verborgen sind. Die Messungen werden derzeit ausgewertet und liefern hoffentlich neue Erkenntnisse zur Größe und Gestalt des Erdwerkes.