Ausgrabung Aktuell

Der Archäo-Blog für die Region rund um Stade. Hier erfahren Sie stets, was es für Neuigkeiten rund um das Thema Archäologie gibt. Stadt- und Kreisarchäologie berichten gemeinsam mit dem Museum über neue Forschungen, Funde und aktuelle Ausgrabungen.

Forschung | Zeitstufen: Römische Kaiserzeit Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Daniel Nösler | 16.10.2018 Landkreis Stade

Vortrag „Römer an der Elbe? Was uns neue archäologische Funde aus dem Landkreis Stade verraten“

Über die neuesten archäologischen Forschungen zu römischen Spuren an der Niederelbe wird der Kreisarchäologe Daniel Nösler am 18. Oktober 2018, um 19:00 Uhr, im Restaurant Windmüller in Steinkirchen in einem Vortrag berichten.

Aus der Zeit vor etwa 2.000 Jahren sind erstmalig antike Schriftquellen überliefert, die uns etwas über die Lebensverhältnisse der in unserer Region lebenden Menschen vermitteln. Das Römische Reich hatte im Gallischen Krieg große Teile des heutigen Frankreichs, Belgiens und der Niederlande besetzt und ebenfalls alle Gebiete westlich des Rheins unterworfen. Jedoch sollte ebenso Germanien bis zur Elbe erobert und in das Imperium eingegliedert werden.

In der Schlacht am Teutoburger Wald wurde im Jahr 9 n. Chr. ein Heer aus mehreren Legionen unter dem Befehl des römischen Feldherren Varus durch den germanischen Heerführer Arminius vernichtend geschlagen. Danach beschränkten sich die Römer auf einzelne Angriffe in das Gebiet östlich des Rheins, teilweise schlossen sie mit den Germanen Bündnisverträge. Zu einer dauerhaften Besetzung Nordwestdeutschlands kam es nicht mehr. Von Zeit zu Zeit warben die Römer bei den germanischen Stämmen auch in unserem Raum Söldner für ihre riesige Armee an.

Für die Niederelbe lässt sich während der Kaiserzeit erschließen, dass in Kehdingen Chauken lebten, während die südlich angrenzende Stader Geest von Langobarden besiedelt war.

Insbesondere in den Marschen haben die Erträge von Ackerbau und Viehzucht für einige Bewohner zu einem bescheidenen Wohlstand geführt. Dieser lässt sich unter anderem an den zahlreichen Gegenständen ablesen, die aus dem Römischen Reich stammen. So wurden beispielsweise Trinkgefäße, Wein, Schmuckstücke und Kunstobjekte eingeführt. Aber auch römisches Geld aus Kupfer, Silber und Gold gelangte in unseren Raum. Es sind Schätze mit mehreren Hundert Silbermünzen gefunden worden, so beispielweise an der Oste bei Gräpel. Nicht immer kamen diese Güter durch friedliche Geschäfte zu den einheimischen Stämmen, denn sie waren auch als Piraten gefürchtet, die mit ihren Raubzügen die römischen Küsten heimsuchten.

Der Eintritt ist frei.

| Zeitstufen: Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Dr. Andreas Schäfer | 11.09.2018 Landkreis Stade

Siedlung des frühen Mittelalters im Klaren Streck

Am Klaren Streck direkt an einem  Fernhandelsweg (der heutigen der Harsefelder Strasse) plant die IDB Stade ein neues Wohngebiet. Im Vorfeld dieser Baumaßnahmen führte die Stadtarchäologie Stade im Sommer Sondierungsschnitte durch die bereits hochinteressante archäologische Befunde zeigten.
Seit August 2018 ist dort ein vier bis sechs-köpfiges Team der Stadtarchäologie Stade und ehrenamtlichen Helfern der AG Archäologie unter der Leitung von Andrea Finck tätig.
„Es handelt sich um ein wichtiges Stück Kultur aus unserer Region. Insbesondere aufgrund der interessanten Funde unterstützen wir die Ausgrabungen sehr gerne. Wir pflegen eine gute Zusammenarbeit mit der Archäologie der Hansestadt Stade“, bestätigt Jens Romahn, Mitarbeiter des Erschließungsträgers, der Sparkassentochter IDB mbH & Co. Stade-Altes Land KG.
Seit einigen Jahren erkundet die Stadtarchäologie das Umfeld des direkt an der Schwinge gelegenen gelegenen frühmittelalterlichen Burgwalls „Schwedenschanze“. Bereits 2011 und 2012  wurde bei Bauarbeiten in der „Heidesiedlung“ ein zur Burg passendes Gräberfeld ausgegraben. 2016 konnte direkt an der Schwedenschanze eine Vorburgsiedlung bei Neubauarbeiten mit zwei Grubenhäusern – eingetieften Webhäusern- ausgegraben werden.
Die jetzt am Klaren Streck gefundene Siedlung passt genau in dieses Bild und untermauert die wichtige Funktion der Schwedenschanze. Auf der bisherigen Grabungsfläche von knapp 7000m² wurden ein Pfostenbau und ein Grubenhaus ausgegraben.
Frühmittelalterliche Pfostenbauten sind in unserer Region bislang selten, das jetzt dokumentierte Haus ist 20 Meter lang und 6 Meter breit. Es war leicht apsidenförmig, einschiffig und mit mächtigen Pfosten erbaut. In ihrem Typus sind sie die Vorgänger der heutigen Niedersachsenhäuser. Der Hausgrundriss wird in Oldenburg mittels Phosphatuntersuchungen auf eine funktionale Trennung der Gebäudeteile untersucht, spannend ist die Frage nach der Größe der Wohn- und Stallbereiche.
In den Befunden wurde frühmittelalterliche Keramik geborgen, die sowohl in der Herstellungsart, als auch in der Datierung zu den in der „Schwedenschanze“ ergrabenen Gefäßfragmenten passt. Bei einem sehr ungewöhnlichen Keramikfundstücke handelt es sich um ein Produkt der Mayener Töpfereien. Das Gefäß wurde zwischen 710 und 790 in Mayen (Rheinland-Pfalz) hergestellt, bereits ab dem 3. Jahrhundert produzierten römische Töpferbetriebe Mayener Ware. Die hier hergestellten Keramikprodukte prägten in Spätantike und Frühmittelalter den Handel und gelangten zeitweise bis nach Skandinavien, in die Alpenregion, bis nach Ostfrankreich und an die Elbe bzw. die Ostsee. Bislang wurden diese Funde aber nur in wenigen Ausnahmenfällen in Norddeutschland geborgen und sind daher ein wichtiger Nachweis für den Handel im frühen Mittelalter.
Die Grabungen werden noch etwa bis Oktober 2018 dauern und die Stadtarchäologie kann wieder ein weiteres Puzzlestück bei der Erforschung und Funktion der ältesten frühmittelalterlichen Burg zwischen Rhein und Elbe – der Schwedenschanze – zusammensetzen. 

| Zeitstufen: Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Daniel Nösler | 26.05.2018 Landkreis Stade

Die Wikinger kommen!

An diesem Wochenende findet Jork an einem neugebauten Ringwall wieder der beliebte Wikingermarkt statt. Diese Veranstaltung gibt Anlaß, einmal die historischen Zeugnisse der Wikinger an der Niederelbe zu betrachten.

Im Jahr 845 fuhren angeblich 600 Wikingerschiffe gen Hamburg, wo die Hammaburg Ziel des Feldzuges war. Im Juni 994 ist ein weiterer Flottenüberfall überliefert. Diesmal waren die Flußmündungen von Elbe und Weser das Ziel. Es hat sich wohl um eine Streitmacht des Dänenkönigs Sven Gabelbart gehandelt, von der ein Teil das westliche Weserufer heimgesucht hat. Der Versuch dieser Krieger, über Land zur Elbe zu gelangen, endete in einer vernichtenden Niederlage durch ein Heer des sächsischen Herzogs Bernhard Billung. Weniger Glück hatten die eilig zusammengewürfelten Truppen der Udonen, die damals in ihrer gräflichen Burg in Harsefeld residierten. Über die Schlacht bei Stade am 23. Juni 994 berichtet der Chronist Adam von Bremen: "Der Kampf war schwer, denkwürdig und sehr unglücklich." Die Udonen mußten als Folge ihrer Niederlage namhafte Geiseln stellen und eine immense Menge Silber als Lösegeld zahlen.

Der Grafenbruder Siegfried konnte jedoch entkommen und nach Harsefeld fliehen. Die Wikinger nahmen daraufhin grausame Rache, über die der Zeitgenosse Thietmar von Merseburg berichtet: "Als sie ihn nicht fanden, raubten sie den Frauen gewaltsam die Ohrringe und kehrten niedergeschlagen um. In ihrer Wut schnitten sie am nächsten Tag dem Priester, meinem Vetter und allen übrigen Geiseln Nasen, Ohren und Hände ab und warfen die Verstümmelten in den Hafen. Dann machten sie sich davon. Die Geiseln wurden von den Ihren geborgen, und es erhob sich unendlicher Jammer."

Auch archäologische Spuren haben die Wikinger in unserem Gebiet hinterlassen. Einige Waffen aus den Flüssen Schwinge und Elbe könnten mit ihren Überfällen zusammenhängen. In der Stader Altstadt wurde außerdem im Jahr 1977 ein wertvoller Silberarmreif gefunden, der vielleicht einem in den Kämpfen des Jahres 994 gefallenen Krieger mit ins Grab gegeben worden ist. Bei der Ausgrabung der Grablege der Udonen in Harsefeld hat man möglicherweise eine von den Wikingern verstümmelte Geisel identifiziert. Eine seltene Wikingerfibel wurde kürzlich durch unseren ehrenamtlichen Mitarbeiter Torben Schuback bei Horneburg entdeckt. Auf friedliche Kontakte könnten zerhackte Silbermünzen hindeuten, die auf einem alten Handelsplatz bei Freiburg/Elbe geborgen wurden, und damit Handelskontakte in den Ostseeraum belegen.

| Zeitstufen: Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Daniel Nösler | 25.05.2018 Landkreis Stade

Katastrophe hinterläßt eine Idylle

Hunderte Kilometer Deiche schützen heute die fruchtbaren Flussmarschen von Elbe und Oste verlässlich vor den immer wiederkehrenden Sturmfluten. Der aufmerksame Besucher wird im Alten Land, in Kehdingen und in der Ostemarsch jedoch eine Vielzahl von Stillgewässern entdecken: Mal klein und kreisrund oder auch von beeindruckender Größe. Sie zeugen vom ewigen Ringen des Menschen gegen die Gewalt der Wassermassen – und von seinem Scheitern in historischer Zeit. Es handelt sich um sogenannte Bracks oder Kolke, die durch die enorme Kraft des bei schweren Sturmfluten durch den Deich brechenden Wassers entstanden sind.

Auch wenn die Grundfläche der Bracks vielfach relativ klein ist, erreichen sie beachtliche Tiefen von bis zu 26 Metern und nicht zuletzt dadurch haben sich viele dieser Sturmflutzeugen bis heute erhalten. Diese Kolke sind vielfach als Kulturdenkmale und Naturschutzgebiete geschützt, da sie zum einen interessante Relikte der Deich- und Sturmflutgeschichte darstellen und zum anderen sich zu wertvollen Biotopen entwickelt haben.

In Krummendeich führten Sturmfluten zur Entstehung eines Zwillingsbracks. Die Weihnachtsflut des Jahres 1717 ließ den Deich brechen und zurück blieb das westlich gelegene Brack. Während der schweren Februarflut von 1825 sollte sich diese Katastrophe in einem größeren Ausmaß wiederholen. Die Folge waren ein weiterer Bruch und ein noch größeres, sehr tiefes Brack, in dem zwei Bauernhöfe versanken.

Heute, fast 200 Jahre später, lädt das Gewässer zur Abkühlung und Erholung ein. Ein Förderverein betreibt hier ein idyllisches Naturfreibad, welches von Mai bis August geöffnet hat. Nähere Informationen finden Sie hier.

Ausgrabung | Zeitstufen: Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Dietrich Alsdorf | 11.01.2018 Landkreis Stade

Die Kapelle unter dem Friedhof

Auf Geheiß des Bremer Erzbischofs Gerhard II. wurde um das Jahr 1255 in einem Winkel (Horn) der Aue die Horneburg errichtet. Zu den Burgmannsfamilien gehörten auch die der Schulte von der Lühe, die zu einem unbekannten Zeitpunkt auf einer runden Sandinsel nahe der Auefurt eine Kapelle stifteten, die der Heiligen Gertrud, der Schutzpatronin der Reisenden und Seefahrer, geweiht war. Hintergrund der Stiftung war vermutlich die wachsende Bedeutung Horneburgs im Spätmittelalter in Bezug auf Handel und Schifffahrt.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Horneburg im Jahr 1632 von den Schweden erobert und niedergebrannt, Burg und Hauptkirche zerstört. Auch die Gertrudenkapelle sank in Trümmer und wurde nicht wieder aufgebaut. Der Platz allerdings wurde als Gemeindefriedhof mit Grabgewölbe einer im Ort ansässigen Adelsfamilie weiter genutzt. Die fast kreisrunde Wurt mit einem umlaufenden, heute verfüllten Graben bot darüber hinaus reichlich Raum für weitere Spekulationen. Heimatforscher vermuteten beispielsweis eine mögliche Vornutzung in Form eines Ringwalles.

Als die Gemeinde Horneburg im Jahre 1988 eine Umgestaltung des inzwischen verwilderten „Alten Friedhofs“ ins Auge fasste, gelang es – bis dahin erstmalig im Kreisgebiet – einen für Bestattungen geschlossenen historischen Friedhof vor der Totalräumung zu bewahren und schützen. Zur Klärung der Platzgeschichte wurden dann Bohrungen und kleine Sondagen durchgeführt.

Die Bohrungen ergaben Einblicke in den Aufbau der Kapellenwurt und führten auch zur Entdeckung des Kapellenfundamentes. Anschließende Grabungen wiesen die Gründung eines Ost-West ausgerichteten Backsteingebäudes von 17 x 6 Meter Größe mit einer halbrunden Apsis nach. Nach Räumung der der Kapellentrümmer hatte man die Wurt gleichmäßig um 1,50 Meter mit leichtem Sandboden aufgehöht und der Platz in Begräbnisplätze unterteilt. Eine Maßnahme, die einerseits das Anlegen der Grabgruben erleichtern sollte und anderseits dazu diente, die Verstorbenen aus dem hohen Grundwasserspiegel der Flussniederung zu bekommen.

Nach Abschluss der Untersuchungen wurde der rekonstruierte Grundriss der Gertrudenkapelle mittels großer Feldsteine markiert. Nach den gefundenen Ziegelresten dürfte der schlichte, einschiffige Bau am Ende des Mittelalters entstanden sein. Eine Vornutzung durch einen vermuteten Ringwall konnte infolge der begrenzten Eingriffe nicht nachgewiesen werden, ist aber wahrscheinlich.

Forschung, Ausgrabung | Zeitstufen: Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit Römische Kaiserzeit | Daniel Nösler | 30.12.2017 Landkreis Stade

Vortrag: Von der Elbe nach England – Die Sachsen des frühen Mittelalters

Die im 3./4. Jahrhundert in den antiken Quellen auftauchenden Sachsen haben nichts mit dem heutigen gleichnamigen Bundesland zu tun, ihr Ursprung liegt vielmehr im nördlichen Niedersachsen und im westlichen Schleswig-Holstein. Zur Geschichte und Kultur dieses Stammes liefern die historischen Aufzeichnungen nur sehr spärliche Erkenntnisse. Die Sachsen waren für das Römische Imperium offenbar eine ständige Bedrohung: Sie operierten häufig als Seeräuber auf der Nordsee und suchten mit Plünderungszügen die Küsten Galliens und Britanniens heim. Daneben verdingten sie sich in der Spätantike in größerer Zahl als Söldner im römischen Militär.

In den letzten Jahrzehnten wurden insbesondere im Elbe-Weser-Gebiet zahlreiche Ausgrabungen durchgeführt, die entscheidende Hinweise zur Lebens- und Wirtschaftsweise sowie zur Sozialstruktur und Alltagskultur der Sachsen erbracht haben. Im Landkreis Stade sind die Forschungen auf einem der größten sächsischen Bestattungsplätze in Issendorf sowie das Gräberfeld Immenbeck hervorzuheben. In Issendorf wurden mehr als 6.000 Verstorbene beigesetzt, denen teilweise sehr wertvolle Objekte beigegeben wurden. Bemerkenswert sind hier neben den Waffen, Perlen und Schmuckstücken aus Edelmetall besonders die importierten Glasgefäße. Zu den Siedlungen wurde speziell in der Elbmarsch intensiv geforscht.

Während der Völkerwanderungszeit nutzten die Sachsen, die als Söldner oder Piraten die reichen römischen Provinzen kennen gelernt hatten, nun geschickt die Schwäche des Römischen Reiches aus. Als im Jahr 410 die meisten römischen Truppen die britische Insel verlassen hatten, kam es zu einem stetig wachsenden Zuzug von Sachsen. Sie eroberten insbesondere den Südteil des heutigen England. Dort wurden sächsische Königreiche gegründet, die Essex = Ostsachsen, Wessex = Westsachsen oder Sussex = Südsachsen genannt wurden. Auch die archäologischen Funde und Ortsnamen bezeugen die engen Verbindungen zwischen dem Elbe-Weser-Gebiet und England. Außerdem bestehen sehr große Übereinstimmungen im Erbgut der Menschen aus Ostengland und dem nördlichen Niedersachsen.

Der Kreisarchäologe Daniel Nösler wird über diese frühe Geschichte der Sachsen im Rahmen der Stammtischvorträge des Stader Geschichts- und Heimatvereins berichten. Der Vortrag findet am 4.01.2018, 17:00 Uhr, im Stader Inselrestaurant statt. Der Eintritt ist frei.

Ausgrabung | Zeitstufen: Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Daniel Nösler | 01.12.2017 Landkreis Stade

Erneute Grabungen an der Krughörne bei Blumental

Im Oktober 2017 haben Archäologen des Instituts für Ur- und Frühgeschichte der Universität Kiel unter der Leitung von Janna Kordowski eine weitere Grabungskampagne am historischen Krugstandort an der Oste durchgeführt. Die im Jahr 2015 erfolgte erste Ausgrabung hatte bereits wertvolle Einblicke in die Kulturgeschichte dieser wichtigen Anlaufstation für Schiffer und Reisende erbracht (Siehe den entsprechenden Blogbeitrag weiter unten). Die aktuellen Untersuchungen sollten die genaue Lage des Gebäudes und den Aufbau des unmittelbar angrenzenden Deiches klären helfen.

Die Grabungen erbrachten interessante Einblicke in den Aufbau der Wurt, die in den letzten Jahrhunderten trotz des bestehenden Deiches immer wieder erhöht worden ist. Daneben wurde ein mit Ziegelsteinen gepflasterter Weg entdeckt, der möglicherweise über den Deich zur nahen Anlegestelle führte.

Wie schon 2015 wurden wiederum zahlreiche Funde, wie Koch- und Trinkgefäße aus Keramik, gemacht, die den Alltag in einem Rasthaus illustrieren. Die Forschungen sollen in den kommenden Jahren als Promotionsprojekt an der Universität Kiel fortgesetzt werden. Auch aus denkmalpflegerischen Gründen ist die archäologische Dokumentation des Platzes geboten, denn der Wellenschlag der unmittelbar angrenzenden Pütte führt zu einer ständig fortschreitenden Erosion des Bodendenkmals.

Ausgrabung | Zeitstufen: Bronzezeit Vorrömische Eisenzeit Jungsteinzeit Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Daniel Nösler | 25.11.2017 Landkreis Stade

Spuren aus mehr als 5.500 Jahren - Grabungen im Baugebiet Blumenthal abgeschlossen

Ab dem nächsten Jahr wird Horneburg um ein 22,5 ha großes Neubaugebiet "Blumenthal" weiter wachsen. Die Erschließung und Vermarktung wird durch die Kreissparkasse Stade übernommen. Da im Bereich des geplanten Vorhabens zwei Bodendenkmale vorhanden sind, führte die Kreisarchäologie im April 2017 umfangreiche Sondagen durch, um die Ausdehnung und Erhaltung der archäologischen Relikte zu klären. Daneben wurden die Flächen durch unseren ehrenamtlichen Mitarbeiter Torben Schuback intensiv mit dem Metalldetektor begangen. Er fand dabei ein Grifffragment eines älterbronzezeitlichen Bronzeschwertes, ein großes Papstsiegel, zahllose Münzen, mittelalterliche Siegelstempel und vieles mehr.

Als Ergebnis wurden in fünf Bereichen auf fast 2 ha Größe Befunde festgestellt, die von Juni bis November 2017 durch ein Team der Grabungsfirma ArchaeoFirm ausgegraben wurden. Als Ergebnis besonders hervorzuheben sind die Überreste von mindestens zwei Megalithgräbern. Die Grabmonumente haben sich auf der höchsten Erhebung mit Blick auf das Elbe- und Auetal befunden und waren von zahllosen Feuerstellen flankiert, die auf einen bronzezeitlichen Kultplatz hindeuten dürften.

Etwa 2.100 - 2.500 Jahre alt sind die Spuren eines eisenzeitlichen Dorfes, von dem gut erhaltene Hausgrundrisse, Herdstellen, Gruben, Reste von Öfen und Pfostengruben dokumentiert wurden. Gefunden wurden große Mengen an Keramik sowie Feuersteingeräte, Mahlsteine, Spinnwirtel, botanische Reste und ein Keramikstempel.

Am 29.11.2017, 19:00 Uhr, wird Kreisarchäologe Daniel Nösler auf der Sitzung des Kulturausschusses des Flecken Horneburg in einem Vortrag die ersten Ergebnisse vorstellen. Die Sitzung ist öffentlich.

Forschung | Zeitstufen: Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Daniel Nösler | 23.11.2017 Landkreis Stade

"Die Mit Thränen verknüpffte Weynachts-Freude" - Die Weihnachtsflut von 1717

Vor 300 Jahren wurde die gesamte südliche Nordseeküste von Dänemark bis zu den Niederlanden von einer der verheerendsten Sturmfluten der letzten Jahrhunderte heimgesucht. In der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember 1717 führte ein Orkan zu Rekordwasserständen, denen die damaligen Deiche kaum gewachsen waren. Der Scheitelpunkt des Hochwassers lag in der Nacht, sodass viele Bewohner im Schlaf überrascht wurden und den eisigen Wassermassen nicht entkommen konnten. Im Landkreis Stade war insbesondere das Land Kehdingen schwer von der Katastrophe betroffen. Hier waren die Deiche auf breiter Front gebrochen und dadurch hatte sich das dahinter liegende Land in eine Wasserwüste verwandelt, die durch den kurze Zeit später einsetzenden Frost zur Eiswüste wurde.

Noch heute zeugen zahlreiche Bracks, die an Deichbruchstellen durch die Wucht des Wassers bis zu 20 m tief ausgespült wurden, von der Katastrophe. Insbesondere die heute noch vorhandene "Große Bracke" bei Wischhafen verdeutlicht die Auswirkungen der Weihnachtsflut. Der Einbruch des Wassers erfolgte hier so massiv, dass mehrere Dörfer komplett verschwanden und der Deichbruch erst nach 25 Jahren unter größten Anstrengungen geschlossen werden konnte.

Zum Gedenken an die 300 Jahre zurückliegende Weihnachtsflut veranstaltet der Historische Kornspeicher Freiburg am 26.11.2017 einen Thementag "300 Jahre Weihnachtsflut 1717". Der Kreisarchäologe Daniel Nösler wird dort zu den Bracks in Kehdingen und im Alten Land sprechen.

Ausgrabung | Zeitstufen: Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Bernd Habermann | 23.10.2017 Landkreis Stade

Das Ding vom Hof

Merkwürdigkeiten erregen Aufmerksamkeit. So auch ein Bronzeobjekt, das während einer Grabung in der Kirchenstraße im nassmoorigen Untergrund in der Altstadt von Buxtehude gefunden wurde.

Der an einer Seite spitz zulaufende und an der anderen Seite gerade abschließende, schiffförmige Metallkörper besteht aus etwa 0,5 bis 0,8 mm dünner Bronze, misst 6,4 cm in der Länge, wird am Ende 2,6 cm breit und ist 0,8 cm hoch. Er ist massiv gegossen und sonst unverziert. Das Stück ist innen hohl und hat am breiten, gerade abschließenden Ende eine bewegliche, seitlich zu öffnende Klappe. Sie wird gehalten durch Scharnierstifte zwischen Ober- und Unterseite, ist also ähnlich einer seitlich angeschlagenen Tür zu öffnen. Geschlossen gehalten wird sie durch eine Nase und eine Rast auf der gegenüberliegenden Seite.

Nahe der Spitze steckt in der Oberseite ein Stift mit einem runden schildartigen oberen Abschluss und einer Lochung in seiner Mitte. Das Schild steht (jetzt?) leicht schräg zur Längsrichtung. Eine Verdickung am Stiftfuß verhindert, dass der Stift weiter in den Bronzekörper hineinrutschen kann. Ein weiteres Loch befindet sich kurz vor dem hinteren Ende, möglicherweise hat hier ein weiterer Stift gesessen.

Aufgrund der stratigraphischen Fundlage und der umgebenden Keramik datiert es in die Zeit kurz vor bzw. um 1500. Zwar erinnert die Form an ein Bügeleisen, doch die Kleinheit schließt diese Funktion eher aus, zumal diese Form im Datierungszeitraum nicht üblich war. Eine Idee, was es gewesen sein könnte oder wozu es gebraucht wurde, gibt es derzeit nicht.

Anregungen und Hinweise werden gern entgegengenommen: b.habermann@stadt.buxtehude.de.

Forschung, Ausgrabung | Zeitstufen: Altsteinzeit / Mittelsteinzeit Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit Römische Kaiserzeit Jungsteinzeit Vorrömische Eisenzeit Bronzezeit | Daniel Nösler | 23.07.2017 Landkreis Stade

Neuerscheinungen zur Archäologie des Landkreises Stade

In zwei Publikationen zur niedersächsischen Archäologie sind wiederum zahlreiche Beiträge zur Archäologie des Landkreises Stade erschienen.
Im Heft 20 von Archäologie in Niedersachsen mit dem Schwerpunktthema "Methoden des Suchens und Findens" sind folgende Artikel enthalten:

Dietrich Alsdorf, "Vermittels eines Sucheisens sehr wohl zu finden". Frühe Grabungsmethoden auf der Stader Geest des 18. Jahrhunderts.

Daniel Nösler, Vom Moor verschlungen. Die Erforschung einer prähistorischen Gräberlandschaft bei Hammah.

Andrea Finck und Andreas Schäfer, Eisenzeitliche Urnen im Neubaugebiet "Heidesiedlung" in Stade-Riensförde.

Donat Wehner, Schenke im Schlick. Die Ausgrabungen an der Krughörne bei Blumenthal im Landkreis Stade.

A. Hüser, St. Wolters, I. Laroque-Tobler, S. Mahlstedt und D. Enters, Von Sedimenten, Zuckmühlen, Pollen und kleinen Steinen. Suchen und Finden des Mesolithikums an Pingo-Ruinen.

Daniel Nösler, Stumme Zeugen großer Katastrophen. Die Bracks des Landkreises Stade als Natur- und Kulturdenkmale.

Dietrich Alsdorf, Verdrängtes Grauen - Stades letzte Richtstätte.

Die wichtigsten niedersächsischen Ausgrabungen und Funde werden regelmäßig in der Fundchronik im Beiheft der Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte publiziert. Die Kreisarchäologie hat für das Jahr 2015 46 interessante Beiträge von A wie Apensen bis O wie Oldendorf beigesteuert. Sie umfassen zeitlich den Rahmen von der Altsteinzeit bis zur Gegenwart.

Forschung | Zeitstufen: Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit Römische Kaiserzeit | Daniel Nösler | 31.03.2017 Landkreis Stade

Speichergespräch: Die Römer an der Elbe – Neue archäologische Forschungen in Kehdingen

Vor mehr als 1.500 Jahren gab es sehr enge Kontakte zwischen dem Römischen Reich und den an der Niederelbe siedelnden Germanen. Archäologische Befunde belegen für Kehdingen eine rege Handelstätigkeit mit dem Imperium, aber auch die Anwesenheit von Veteranen, die nach ihrem Dienst im römischen Heer wieder in ihre Heimat zurückgekehrt sind. Exklusive Luxusgüter zeigen außerdem die Anwesenheit einer hier lebenden sächsischen Elite.

In dem Vortrag wird ebenso auf die Lebensverhältnisse der damaligen bäuerlichen Bevölkerung eingegangen. Wie konnten die Marschenbewohner ohne den Schutz der Deich überleben?

Auch im Frühmittelalter zeigen die archäologischen Objekte weitreichende Handelsbeziehungen und zeugen von der fortwährenden Bedeutung Nordkehdingens. Anhand der bisherigen Untersuchungen kann davon ausgegangen werden, dass bei Freiburg für etwa 1.000 Jahre ein wichtiger Hafenort und Handelsplatz existiert hat, dessen bedeutende Funde an der Unterelbe bislang ohne Vergleich sind. Im frühen 11. Jahrhundert verlor der Ort jedoch seine Bedeutung. Die Ursachen hierfür sind noch nicht abschließend geklärt.

Die nunmehr drei Jahre andauernden intensiven Forschungen zur Archäologie in Nordkehdingen werden umfassend präsentiert und beleuchten eindrucksvoll die kaum erforschte Frühgeschichte dieser interessanten Region.

Der Vortrag findet am 12.04.2017 um 19:30 Uhr im Historischen Kornspeicher Freiburg statt.

Ausgrabung | Zeitstufen: Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Daniel Nösler | 23.03.2017 Landkreis Stade

Gold aus Goldbeck

Dass sächsische Siedler aus dem Elb-Weser-Dreieck im 5. Jh. einen maßgeblichen Anteil an der Besiedlung Ostenglands hatten, ist lange bekannt. Dies wird insbesondere durch archäologische Objekte wie Keramik und Fibeln belegt, von denen in beiden Gebieten identische Stücke gefunden wurden. Zu den kunsthandwerklich herausragenden Schmuckstücken dieser Zeit, die in England und in Nordniedersachsen vorkommen, zählen die Gleicharmigen Kerbschnittfibeln der Völkerwanderungszeit.

Torben Schuback fand während planmäßiger Begehungen bei Goldbeck drei Fragmente dieser Fibeln vom Typ Dösemoor. Die Fundstelle liegt direkt an einem heute verlandeten Kleingewässer, an dem sich bis vor einigen Jahrzehnten ein markanter Grabhügel befunden hat. Die aus vergoldetem Silber gefertigten Stücke sind sehr gut erhalten, datieren in die 2. Hälfte des 5. Jh. und zeigen die typischen Kerbschnittverzierungen sowie das Motiv „des rückblickenden Tieres“. Diese Dekore haben ihre Vorbilder in den Verzierungen spätrömischer Kerbschnittgarnituren, sodass vermutetet wird, dass die Fibeln möglicherweise im sächsischen Gebiet durch römische Handwerker hergestellt worden sind. Gewandspangen dieser Güte werden nur äußerst selten gefunden und deren Trägerinnen dürften zur sächsischen Oberschicht gehört haben.

Bei den Prospektionen wurden neben wenigen anderen Objekten außerdem eine völkerwanderungszeitliche Fibel, zwei frühmittelalterliche Scheibenfibeln und Keramikscherben geborgen. Scheinbar hat hier eine frühgeschichtliche Siedlung oder ein Gräberfeld bestanden. Allerdings könnte die Fundstelle an dem Teich auch auf eine gezielte Niederlegung hindeuten. Der eponyme Fund wurde beispielsweise intentionell im „Dösemoor“, einem ausgedehnten Hochmoor, deponiert.

Forschung | Zeitstufen: Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Daniel Nösler | 22.03.2017 Landkreis Stade

Stumme Zeugen großer Katastrophen - Die Bracks im Alten Land und Buxtehude

Im Jahr 2017 jähren sich zwei der schwersten Hochwasserkatastrophen, die das Alte Land je erlebt hat. 55 Jahre nach der verheerenden Flut von 1962 und 300 Jahre nach der dramatischen Weihnachtsflut von 1717 wird in der Ausstellung „Stummen Zeugen großer Katastrophen – Die Bracks im Alten Land und Buxtehude“ an die zerstörerische Kraft der Sturmfluten erinnert.

Die Bracks zeugen vom ewigen Ringen des Menschen gegen die Gewalt der Wassermassen – und von seinem Scheitern in historischer Zeit. Es handelt sich um Auskolkungen, die durch die enorme Kraft des durch den Deich brechenden Wassers entstanden sind. In den vergangenen Jahrhunderten waren die Schutzwälle aufgrund ihrer Konstruktion und nicht immer ausreichenden Unterhaltung bei starken Sturmfluten sehr anfällig und brachen dementsprechend häufig. Wenn das Wasser zurückgegangen war und die Deiche meist notdürftig Instand gesetzt waren, blieben neben den vernichteten Existenzen die grundlosen Bracks zurück.

Diese Kolke sind heute vielfach als Kulturdenkmale und Naturschutzgebiete geschützt, da sie zum einen interessante Relikte der Deich- und Sturmflutgeschichte darstellen und zum anderen sich zu wertvollen Biotopen entwickelt haben. Im Landkreis Stade hatte bereits Hans Peter Siemens, der damalige Pfleger für Naturdenkmäler des Kreises Jork, das ökologische Potential der Bracks erkannt und im Jahr 1932 alle Altländer Relikte in seinem Manuskript "Die Deichkolke des Kreises Jork als Naturdenkmäler" vereinigt und beschrieben. Siemens hatte zum ersten Mal in Deutschland überhaupt in einer Landschaft alle Bracks systematisch erfasst und historisch erforscht.

Der Verein zur Förderung und Erhaltung Altländer Kultur hat in Zusammenarbeit mit der Jorker Archivarin Susanne Höft-Schorpp und dem Kreisarchäologen Daniel Nösler das Werk überarbeitet, neue Fotos erstellt und Bracks ergänzt, die nach 1932 entstanden waren. Sie haben nicht nur das Buch herausgegeben, sondern aus dem Material auch eine Ausstellung entwickelt, die die heute noch in der Landschaft vorhandenen Bracks und ihre Geschichte zeigt.

Die Ausstellung ist ab dem 1. April 2017 im Museum Altes Land zu sehen. Das Museum ist von Dienstag bis Sonntag von 11:00 Uhr bis 17:00 Uhr geöffnet.

Das Buch ist für den Preis von 15 € ab dem 1. April 2017 zu erwerben:

im Altländer Archiv, Westerladekop 4, Jork
im Museum Altes Land, Westerjork 49, Jork
in der Drogerie Hubert, Jork und
in der Tourismuszentrale, Westerjork 10

Ausgrabung | Zeitstufen: Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Dietrich Alsdorf | 21.03.2017 Landkreis Stade

Das geheime Flaschengrab von „Schröders Erben“

Bereits vor über 135 Jahren wurde im damals ländlichen Harsefeld an Limonaden und Mineralwässern experimentiert. In einer Zeit, in der die Bürger vornehmlich das muffige, nach Eisen schmeckende Brunnenwasser konsumierten, schlugen die auf Flaschen gezogenen Erfrischungsgetränke ein wie eine Bombe. Damals begann eine rasante Entwicklung, die bis im Grunde heute anhält: Mineralwässer und Fruchtlimonaden gibt es in jedem Haushalt. Damals wie heute schleppen die Menschen Getränkekisten und geben ihre Pfandflaschen wie selbstverständlich zurück. Eine Entdeckung im Harsefelder Neubaugebiet „Neuenteicher Weg“ gewährte kürzlich ungewöhnliche Einblicke in eine ländliche Mineralwasserfabrikation.

Nils Bludau, ehrenamtlicher Mitarbeiter der Archäologischen Denkmalpflege, kontrollierte im Neubaugebiet Aushub und abgeschobene Flächen nach möglichen Funden. Dort machte er eine zunächst banal klingende Entdeckung: Eine alte Müllkippe – mitten auf der Trasse für den Lärmschutzwall. Das Besondere aber – sie bestand dem Augenschein nach nur aus Flaschenbruch. Scherben der einst in Harsefeld ansässigen Mineralwasser-Anstalt „Schröders Erben“, wie an der Prägung zu lesen war.

So zahlreich der gläserne Nachlass, so gering ist bisher die schriftliche Überlieferung. Klar scheint, dass der junge wie geschäftstüchtige Apotheker Johannes Schröder die Idee einer Mineralwasserfabrikation um 1871 in den Ort trug. Was mochte hinter dieser „Beerdigung“ stecken? Als Firmengründer Johannes Schröder 1892 mit nur 46 Jahren starb, führten seine Witwe Catharina und seine beiden Schwestern Adelheid und Elise das Unternehmen als „Schröders Erben“ fort. Das Wasser für ihre Produkte wurde aus einem vor dem Haus befindlichen tiefen Brunnen gepumpt. In den nahen Kellerräumen wurde das Wasser destilliert, mit Kohlensäure sowie zusätzlichen Mineralien und Substanzen veredelt und abgefüllt.

Verkauft wurden die Wässer in Pfandflaschen – damals Patenflaschen genannt, deren Anschaffung einen beträchtlichen Teil des Betriebskapitals verschlang. Und hier lag ein großes Problem: Der Konsument fand die Flaschen mit ihren Klappverschlüssen so praktisch, dass nicht selten keine Rückführung erfolgte. Als Saftbehälter fanden sich bald große Mengen des Flaschenumlaufs in privaten Haushalten. Ein Ärgernis, dem auch nicht mit Prägungen wie „unverkäuflich“ oder „vor Fremdbefüllung wird gewarnt“ beizukommen war.

Forschung | Zeitstufen: Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Angelika Franz / Daniel Nösler | 20.03.2017 Landkreis Stade

The Captive Heart - Das gefangene Herz

Der zertifizierte Sondengänger Torben Schuback staunte nicht schlecht, als er an einem Radweg bei Horneburg einen australischen Uniformknopf aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckte. In der Mitte des verbeulten Fundstücks prangt der australische Kontinent unter der britischen Krone, umrandet von dem Schriftzug „Australian Military Forces“. Schuback hatte einen australischen Uniformknopf gefunden.

Wie aber kam das Stück hierher? Australische Truppen hatten im Zweiten Weltkrieg nicht auf deutschem Boden gekämpft. Entsprechend konnte es auch keine Kriegsgefangenen gegeben haben, die bei den Horneburger Bauern Zwangsdienste leisteten. Und nach dem Krieg kontrollierten die Briten die Nordwestzone ohne jegliche Beteiligung von Australiern. Wem also mochte der Knopf von der Uniform gefallen sein? Dietrich Alsdorf von der Stader Kreisarchäologie erinnerte sich sofort an eine Geschichte, die er schon vor 20 Jahren von dem Horneburger Zeitzeugen Helmut Schering gehört hatte. Kurz nach dem Krieg herrschte für einige Wochen große Aufregung in der Umgebung, als britische Filmteams die Dörfer belagerten. Sie drehten das Kriegsepos „Das gefangene Herz”. „The Captive Heart” lautete der Originaltitel des Films, der schon 1946 mit großem Erfolg in den englischen und auch deutschen Kinos gezeigt werden sollte.

Die meisten Szenen wurden in einem ehemaligen deutschen Kriegsgefangenenlager in Westertimke und Umgebung gedreht – Orte, an denen nur Monate zuvor tatsächlich noch Briten interniert waren. Für andere Szenen aber, darunter die lange Anfangssequenz des Films, dienten die Felder um Horneburg als Kulisse. Helmut Schering war als 15-jähriger Schüler bei den Dreharbeiten dabei gewesen.

Im Film schleppt sich eine lange Kolonne britischer Kriegsgefangener auf dem Weg dem Lager entgegen, an der Uniformknopf gefunden wurde. Kurz nach dem Krieg musste während der Dreharbeiten vieles improvisiert werden. Die Hauptrollen des Films wurden zwar von professionellen Schauspielern besetzt, bei den meisten Statisten aber handelte es sich um britische Soldaten, die als Kostüme einfach alte, verschlissene Uniformen aus den Beständen überzogen. Darunter offenbar auch eine, die den Weg von Australien nach Deutschland gefunden hatte – mit einem losen Knopf an der Jacke. Auch einige Horneburger wurden als Komparsen verpflichtet. So ist auf dem Gefangenenzug das Pferdegespann eines Bauern zu sehen, beladen mit “verwundeten” Dorfbewohnern.

Eine erneute Suche brachte weitere Requisitenteile ans Licht. Schuback und Alsdorf fanden einen weiteren Knopf von einer britischen Uniform sowie ein Mützenabzeichen der „Queen’s Own Cameron Highlanders“, einer schottischen Einheit.

Forschung | Zeitstufen: Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Daniel Nösler | 20.11.2016 Landkreis Stade

Dem Kloster Himmelpforten auf der Spur

Im alten Ortskern von Himmelpforten befand sich bis in das Jahr 1647 das Zisterzienserrinnenkloster Porta Coeli. Es war um 1250 zunächst in Rahden bei Lamstedt, Lkr. Cuxhaven, gegründet worden und wurde dann um 1255 aus politischen Gründen in das Dorf Eulsete verlegt. Die villa Eulsete wurde später nach dem Kloster in Himmelpforten umbenannt.

Von der Abtei kündet heute nur noch die umgestaltete und verkleinerte St. Marienkirche, denn nach den verheerenden Zerstörungen des 30jährigen Krieges und des Nordischen Krieges wurden die Ruinen gänzlich abgetragen. Über das Aussehen des Klosters ist daher nichts bekannt.

Derzeit ist im Bereich des ehemaligen Klosters die Errichtung eines Einkaufszentrums geplant. Obwohl bereits große Flächen modern überbaut sind, existieren noch einige Areale, in deren Untergrund sich Überreste der Abtei erhalten haben könnten.

Die Berliner Firma easternatlas hat kürzlich im Auftrag der Kreisarchäologie Stade einige betroffene Flächen mit einem Georadar untersucht. Mit dieser Methode ist es möglich, im Boden verborgene Relikte wie Fundamente, Keller, Gräber, Brunnen usw. sichtbar zu machen. Wir erhoffen uns dadurch erste Einblicke in die Struktur des Klosters und zur Lage weiterer historischer Gebäude. Nach Auswertung der Messungen wird es möglich sein, die im Vorfeld der Baumaßnahmen notwendigen Rettungsgrabungen detaillierter planen zu können.

Ausgrabung | Zeitstufen: Bronzezeit Vorrömische Eisenzeit Römische Kaiserzeit Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit Jungsteinzeit | Daniel Nösler | 29.09.2016 Landkreis Stade

Eröffnung der Sonderausstellung "Die größte Grabung des Landkreises Stade" im Museum Harsefeld

Vor etwas mehr als einem Jahr ging im Harsefelder Neubaugebiet "Am Redder III" die flächenmäßig größte Ausgrabung des Landkreises Stade erfolgreich zu Ende. Fast ein halbes Jahr lang haben Archäologen der Grabungsfirma ArchaeoFirm auf fast 5 Hektar Fläche spannende Funde von der Jungsteinzeit bis zur Völkerwanderungszeit und somit aus einer Zeitspanne von 4000 Jahren gemacht.

Nachdem nun die Grabung ausgewertet ist und viele Funde restauriert sind, wollen wir der Öffentlichkeit erste Ergebnisse präsentieren. Daneben werden interessante Objekte gezeigt, die in den letzten beiden Jahren durch unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter Nils Bludau, André Jeske und Torben Schuback geborgen wurden.

Am Donnerstag, 13. Oktober 2016, um 17.00 Uhr, wird im Museum Harsefeld die von der Stader Kreisarchäologie konzipierte Sonderausstellung "Die größte Grabung des Landkreises Stade - Die archäologischen Untersuchungen im Harsefelder Baugebiet Redder III" eröffnet. Die Schau wird bis zum 23. April 2017 zu sehen sein.

Zu dieser Veranstaltung laden wir Sie und Ihre Begleitung herzlich ein.

Eine Einführung in die Ausstellung erfolgt durch den Kreisarchäologen Daniel Nösler.

Forschung | Zeitstufen: Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Daniel Nösler | 10.08.2016 Landkreis Stade

Geköpft und gepfählt - Archäologen auf der Jagd nach den Untoten

Am 8. August 2016 ist das von der Wissenschaftsjournalistin Dr. Angelika Franz und dem Stader Kreisarchäologen Daniel Nösler verfasste Buch "Geköpft und gepfählt. Archäologen auf der Jagd nach den Untoten" im Konrad Theiss-Verlag Darmstadt erschienen. Das Werk und weitere Informationen gibt es direkt beim Verlag.

Die Furcht vor Untoten ist so alt wie die Menschheit und die Bestattungen von Vampiren oder Wiedergängern finden sich nicht nur in den Karpaten oder Polen, sondern ebenso in Mockersdorf in der Oberpfalz oder im Mittelburgenland in Österreich. Mitten in Europa. Wir haben uns auf die Spurensuche gemacht, ja das ein oder andere Grab selbst gefunden. Doch wir sind dabei auch der Frage nachgegangen, welches Schicksal der Untote vor seinem Tod erlitten haben muss, und aus welcher Not heraus Menschen das Gebot der Totenruhe gebrochen haben. Wir fanden ein düsteres Stück unserer Kulturgeschichte.

Am 19. August 2016 um 20:00 Uhr findet in der historischen Friedhofskapelle auf dem Alten Finkenwerder Friedhof in Hamburg-Finkenwerder eine Lesung der beiden Autoren statt. Die Kapelle finden Sie hier. Um Voranmeldung zu dieser Veranstaltung wird unter buecherinsel@buecherfink.de gebeten.

Weitere Veranstaltungen finden an folgenden Terminen statt:

19. Oktober 2016, 19:00 Uhr
Vortrag bei der Archäologischen Gesellschaft im Landkreis Rotenburg (Wümme)
City Passage Zeven

29. Oktober 2016
Landesmuseum Hannover
Familientag

2. November 2016
Antiquity Slam, 20:00 Uhr
Neues Museum Berlin, Griechischer Hof

6. November 2016, 17:00 und 19:00 Uhr
Hamburger Unterwelten

11. November 2016, 19:00 Uhr
Museum für Sepulkralkultur, Kassel

17. November 2016, 19:00 Uhr
AbendLese, WBG-Literarium, Darmstadt

Forschung, Ausgrabung | Zeitstufen: Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Andra Fink / Dr. Andreas Schäfer | 08.08.2016 Landkreis Stade

Vorburgsiedlung zur Schwedenschanze entdeckt

Seit einigen Jahren ist die Stadtarchäologie der Hansestadt Stade auf der Suche nach der Vorburgsiedlung des bei Groß Thun direkt an der Schwinge gelegenen frühmittelalterlichen Burgwalls „Schwedenschanze“. Nur 200 Meter von der Burganlage entfernt wurde kürzlich ein Gehöft abgerissen, um Platz für zwei Neubauten zu schaffen. Im Vorfeld der Baumaßnahmen führte die Stadtarchäologie eine Ausgrabung durch, bei der zwei Grubenhäuser, eine Einfriedung, Gruben sowie diverse Pfostengruben dokumentiert werden konnten. Die beiden 4-Pfosten-Grubenhäuser sind mit einer Grundfläche von 4 x 3,8 Metern ungewöhnlich groß. Ein Grubenhaus weist eine rechteckige Herdpflasterung aus flachen Feldsteinen auf, aus der Verfüllung des zweiten Grubenhauses stammen Webgewichtsbruchstücke. In den Befunden wurde frühmittelalterliche Keramik geborgen, die sowohl in der Herstellungsart, als auch in der Datierung zu den in der „Schwedenschanze“ ergrabenen Gefäßfragmenten passt.
Direkt südlich der Grubenhäuser lag eine grabenartige Einfriedung, die das gesamte Baugelände von West nach Ost querte. Hinweise auf einen etwa fünf Meter breiten Pfostenbau lieferten einige Pfostengruben. Die genaue Ausdehnung des Gebäudes lässt sich aufgrund einer neuzeitlichen Störung (Keller eines neuzeitlichen Hauses) nicht ermitteln. Mit dieser Ausgrabung konnte endlich der Nachweis einer Vorburgsiedlung zur „Schwedenschanze“ erbracht werden und untermauert damit die These, dass die heutigen Dörfer in der Region häufig eine Platzkontinuität bis in das Frühmittelalter aufweisen.

Ausgrabung | Zeitstufen: Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Dr. Andreas Schäfer | 24.06.2016 Stade

Rettungsgrabung auf der Hertie Baustelle

Seit einigen Tagen arbeitet die Stadtarchäologie auf der Abrissbaustelle des alten Hertie-Kaufhauses. 

Die dort gemachten Funde sind eine echte Überraschung. Eigentlich war nicht davon auszugehen, dass die Großbaustelle der 1970er Jahre noch Spuren der Stadtgeschichte übrig gelassen hätte.

Nun kamen allerdings Überreste der Grundmauern einer Klosterschule aus dem 14. Jh. zum Vorschein. Die Schule gehörte zum St. Georg Kloster, einem Prämonstratenserstift, dessen Schüler erstmals in einer Quelle von 1393 erwähnt werden. 1540 wird aus der Schule die städtische Lateinschule, die dann 1588 in das Athenaeum mündet, das noch heute als Gymnasium existiert. Das Athenaeum lag früher mitten in der Stadt. 1901 wurde es in das heutige Carl-Diercke-Haus in der Bahnhofstraße umgesiedelt, seit 1925 ist es im ehemaligen Lehrerseminar an der Harsefelder Straße untergebracht.

Weiterhin kamen Bestattungen eines Friedhofs zutage, der ebenfalls zum Kloster St. Georg gehörte. Die Gräber stammen vermutlich aus dem 13. und 14. Jh. Auffällig sind mehere Kindergräber sowie das Grab einer offenbar wohlhabenden Dame, auf deren Stellung Kupferschmuck als Beigabe hinweist.

Die Stadtarchäologie hofft im Laufe der kommenden Wochen noch weitere Erkenntnisse auf dem leider nur kleinen, ungestörten Areal gewinnen zu können.

Forschung | Zeitstufen: Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Daniel Nösler | 16.03.2016 Landkreis Stade

Mittelalterarchäologie zwischen Elbe und Weser

Einen gewichtigen Aufsatz "Mittelalterarchäologie im Elbe-Weser-Dreieck. Forschungsgeschichte, Forschungsfelder, Perspektiven" haben Stefan Hesse, Kreisarchäologe des Landkreises Rotenburg (Wümme), und Daniel Nösler, Kreisarchäologe des Landkreises Stade, im neu erschienenen Stader Jahrbuch vorgelegt.

Auf 103 Seiten werden Einblicke in die Forschungsgeschichte der Archäologie des Mittelalters, die handelnden Akteure, die Forschungsschwerpunkte und interdisziplinäre Ansätze gegeben. Ein Fokus liegt auf Untersuchungen an Burgen, Klöstern und Kirchen, dem Bestattungswesen sowie der Stadtarchäologie. Auch die ländlichen Siedlungen sowie der Wurten- und Deichbau und das Verkehrswesen werden behandelt. In einem Ausblick werden Forschungsdesiderate und -perspektiven aufgezeigt. Die digitale Ausgabe des Artikels kann hier eingesehen werden.

Das Stader Jahrbuch 2015 ist unter dem Titel „Der Elbe-Weser-Raum im Mittelalter“ im Selbstverlag des Stader Geschichts- und Heimatverein erschienen und wurde am 15. März 2016 im Niedersächsischen Landesarchiv, Standort Stade, feierlich vorgestellt. Es zählt 368 Seiten, umfasst neun Aufsätze, darunter ein Beitrag zu "Forschungen an den Schulen", enthält zahlreiche Rezensionen und kostet 15 Euro. Erhältlich ist es in allen Buchhandlungen; ISSN 0930-8946.

Forschung | Zeitstufen: Römische Kaiserzeit Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Daniel Nösler | 14.03.2016 Landkreis Stade

Kolloquium zur Römischen Kaiserzeit und Völkerwanderungszeit in Agathenburg

Am 9. und 10. Oktober 2015 fand auf Einladung von Daniel Nösler von der Archäologischen Denkmalpflege des Landkreises Stade das Marschenrats-Juniorkolloquium im Schloss Agathenburg statt. 21 Nachwuchswissenschaftler aus Baden-Württemberg, Berlin, Niedersachsen und Schleswig-Holstein kamen zusammen, um sich zu aktuellen Forschungen zum Thema „Archäometallurgische Aspekte und Analysemöglichkeiten bei der Auswertung kaiserzeitlicher und völkerwanderungszeitlicher Siedlungen“ auszutauschen. Das Kolloquium wurde von Ivonne Baier und Jan Bock (beide Georg-August-Universität Göttingen) organisiert.

Es wurden neun Referate gehalten, die von den Teilnehmern angeregt diskutiert wurden. Die Kurzzusammenfassungen der Vorträge des Juniorkolloquiums sind in den kürzlich erschienenen Nachrichten des Marschenrates 2015 nachzulesen:
IRIS AUFDERHAAR: Werkplätze der Edel- und Buntmetallverarbeitung. Aufbau – Ausstattung – Archäologischer Befund
JAN BOCK: Metallgewinnung und -verarbeitung in Groß Meckelsen
SARYN SCHLOTFELDT: Neue interdisziplinäre Forschungen am kaiser- bis völkerwanderungszeitlichen Ufermarkt Elsfleth-Hogenkamp, Ldkr. Wesermarsch
DANIEL DÜBNER: Flögeln, Loxstedt, Feddersen Wierde. Metallfunde aus großen Siedlungs-Altgrabungen im Vergleich
BENTE SVEN MAJCHCZACK: Grubenhaussiedlung und Handelsplatz? Tinnum auf Sylt in Völkerwanderungszeit und Frühmittelalter
ULF ARNE SCHMIDT: Eine kaiserzeitliche Siedlung mit Eisenverhüttung in Westerholz, Ldkr. Rotenburg (Wümme)
KARL JOHANN OFFERMANN: Eisenzeitliche Muschelhaufen am Windebyer Noor – Eine Neubewertung
DANIEL NÖSLER: Methodik und Ergebnisse von Detektorprospektionen auf Siedlungen der Römischen Kaiserzeit und Völkerwanderungszeit im Landkreis Stade

Forschung | Zeitstufen: Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Daniel Nösler | 21.01.2016 Landkreis Stade

Vortrag am 3. März 2016 : Untote - Wiedergänger - Vampire. Die Archäologie des „lebenden Leichnams“

Vampire oder Zombies sind durch ihre Präsentation in Filmen oder der Literatur ein fester Bestandteil der Gegenwartskultur. In früheren Zeiten war der Glaube an Untote oder Wiedergänger weit verbreitet. Insbesondere in Zeiten von Krisen wie Seuchen oder Krieg konnte sich die Angst vor den lebenden Toten zur Hysterie ausweiten.

Auf Gräberfeldern von der Urgeschichte bis zur Neuzeit werden immer wieder Sonderbestattungen angetroffen, die apotropäische Vorkehrungen vermuten lassen, mit denen der Schadzauber der Untoten gebannt werden sollte. Hierzu gehören insbesondere Pfählungen, Versteinungen, ungewöhnliche Skelettlagen usw.

Im Rahmen des Vortrages werden instruktive Befunde möglicher Gräber von Wiedergängern oder Nachzehrern vorgestellt und analysiert. Zur Interpretation der zahlreichen Befunde werden außerdem die reichlich vorhandenen volkskundlichenen und historischen Belege herangezogen. Auch heute leben im Bestattungsbrauchtum noch Rituale weiter, deren Wurzel in der Furcht vor Untoten begründet ist.

Der Vortrag findet am 3. März 2016 um 17:00 Uhr im Rahmen der Stammtischvorträge des Stader Geschichts- und Heimatvereins im Insel-Restaurant Stade statt. Der Eintritt ist frei.

Forschung | Zeitstufen: Altsteinzeit / Mittelsteinzeit Bronzezeit Vorrömische Eisenzeit Jungsteinzeit Römische Kaiserzeit Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Daniel Nösler | 13.10.2015 Landkreis Stade

Vortrag „Von Jägern und Sammlern bis zu den Holländern - Die Archäologie des Alten Landes“

Die neuesten archäologischen Entdeckungen aus dem Alten Land wird der Kreisarchäologe Daniel Nösler am 20. Oktober 2015, um 19:30 Uhr, im Restaurant Windmüller in Steinkirchen in seinem Vortrag vorstellen. Wie der Titel „Von Jägern und Sammlern bis zu den Holländern - Die Archäologie des Alten Landes“ vermuten läßt, wird hierbei die Menschheitsgeschichte der letzten 200.000 Jahre bis zum Beginn der Hollerkolonisation beleuchtet. In der Präsentation werden außerdem die neuesten Forschungsergebnisse zur Archäologie der angrenzenden Elbmarschen vorgestellt. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf den aktuellen Funden, die sehr enge Beziehungen zum römischen Imperium belegen.

Auf die historischen Entwicklungen des Naturraumes der Elbe wird ebenfalls eingegangen. Wie war in den Elbmarschen ein Leben ohne die schützenden Deiche überhaupt möglich? Wie verhielt sich der Meeresspiegel in der Vergangenheit?

Der Eintritt ist frei. Nähere Informationen finden Sie hier: www.majestaeten-altesland.de/KV/

Ausgrabung | Zeitstufen: Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Dr. Andreas Schäfer | 28.09.2015 Stade

Ausgrabungen auf der Kreishausbaustelle

Die Erdarbeiten für den Erweiterungsbau des Kreishauses am Sande werden seit 2 Wochen baubegleitend archäologisch untersucht. Dabei konnten bereits interessante Aufschlüsse zum Befestigungsbau der Schwedenzeit (1645-1712) sowie zum Kasernenbau im Jahre 1736 gewonnen werden. Daneben konnten im Nordosten des Baugebietes, nahe der heutigen Einfahrt zur Tiefgarage vermutlich auch noch Reste eines Hauses des 16./17.Jhs. entdeckt werden.  Die hier aufgefundenen Findlingsfundamente gehören zu einem größeren Gebäude und stehen vermutlich in Verbindung mit kurz zuvor entdeckten Backsteinmauern und einem alten Fußboden, der aus einer Backsteinpflasterung bestand. Vieles deutet darauf hin, dass dieses Gebäude bereits dem Stadtbrand von 1659 zum Opfer fiel. Dieses Gebäude könnte somit noch in die Zeit des ehemaligen Marienklosters gehören, das einst auf dem Sande nahe der alten Burgmauer stand. Überreste des Marienklosters wurden bereits  in den 1960er Jahren im Bereich des Gerichtgebäudes ausgegraben.

Besonders für Aufsehen sorgt jedoch der Fund eines unterirdischen schmalen Gewölbeganges, der knapp 3 m unter heutiger Geländeoberkante durch die tiefgreifenden Baggerarbeiten zum Vorschein kam und von West nach Ost, also annähernd parallel zur heutigen Straße, dem Salztorswall verläuft.
Das Gewölbe ist aus Backsteinen gemauert, ist ca. 1,10 m hoch und hat eine Innenbreite von 75 – 80 cm.  Als Bauzeit wird aufgrund des Backsteinformates und des Befundzusammenhanges das 17. oder 18.Jh. angenommen. Dieser schmale Gang führt wahrscheinlich direkt zum sogenannten „Fuchsloch“ ein ebenfalls gemauerter Tunnel, der quer durch den Befestigungswall führt und dessen Ausgang am Pratjeweg schon lange bekannt ist. Das Fuchsloch wurde wohl einst als Poterne angelegt, was in der Festungsbaukunst einen unterirdischen und überwölbten Gang, der quer durch die Krone des Hauptwalles hindurchführt, bedeutet und den Zweck hatte, vor etwaigen Belagerern unbemerkt zu fliehen.  Inwieweit der jetzt aufgefundene Gang dann später vielleicht auch als Abwasserleitung genutzt wurde – wie es in eingen Plänen des 18. Jhs. verzeichnet ist, ist umstritten bzw. bisher nicht genau geklärt. Der Tunnel ist auf jeden Fall begehbar. Angestrebt wird, ihn vor seiner Teilzerstörung durch die jetztige Baumaßnahme noch kurzfristig weitergehend zu untersuchen, vermutlich mit einer eingelassenen Kamera.
Der jetzt entdeckte schmale Tunnel liegt direkt an einem kleinen Erdwall, der u.a. aus einer Kleiaufschüttung besteht, die ebenfalls bei den Baumaßnahmen dokumentiert werden konnte und in alten Bezeichnungen des 19. Jhs. als „Vossebrai beim Reithause“ (Faussebraye = niedriges Erdwerk vorm Hauptwall) bezeichnet wird. Die mächtigen Backsteinmauern des 1820 erbauten Reithauses wurden ebenfalls dokumentiert. Daneben wurden die Fundamente der 1736 erbauten Kasernengebäude aufgedeckt.  Die Baugeschichte des Geländes lässt sich zukünftig auch gut an einem fotografisch dokumentierten Profilschnitt ablesen.
Bauschutt und Brandspuren verweisen immer wieder auf den Brand des Jahres 1712 – der dänischen Belagerung Stades – wobei es den Anschein hat, dass das Material auch von woanders her herangeschafft wurde, um das Gelände künstlich aufzuschütten bzw. zu erhöhen.

Ausgrabung | Zeitstufen: Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Daniel Nösler | 20.08.2015 Landkreis Stade

Auf den Spuren von Schiffern und Fährleuten

Silbermünzen, Bierkrüge, Tabakspfeifen – schon damals ließen es sich Schiffer, Fährleute und Passagiere in einem Fährkrug bei Blumenthal direkt an der Oste, einem Nebenfluss der Unterelbe, gut gehen. Das haben Ausgrabungen von Archäologen der Universität Kiel unter Leitung von Dr. Donat Wehner in Kooperation mit der Stader Kreisarchäologie ergeben. Die Forscher stießen auch auf Überreste des Gasthauses und seiner Einrichtung.

Aus historischen Karten war bekannt, dass dieses Gasthaus mindestens von 1768 bis 1874 bestanden hat. Dies war die Blütezeit des Schiffsverkehrs auf der Oste, auf der insbesondere Torf, Getreide, Ziegel und Kohle transportiert wurden.
Diese wichtige Anlaufstation für Schiffer und Reisende lag über Jahrhunderte auf einer heute wüsten, unscheinbaren Wurt direkt am Ostedeich bei Blumenthal. Hier an der „Krughörne“ befand sich eine Anlegestelle für die Schiffe, eine Fähre über den Fluss nach Hechthausen und Reisende bekamen ein Obdach für die Nacht.

Die Grabungen zeigten nun, dass sich an diesem Platz mindestens seit dem ausgehenden Mittelalter ein Krug befunden hat. Allerdings wurde das Haus im Laufe der Jahrhunderte immer wieder von Katastrophen heimgesucht: Deichbrüche und Brände haben im Boden zahlreiche Spuren hinterlassen. Jedoch wurde der Krug immer wieder neu aufgebaut, bis er gegen Ende des 19. Jahrhunderts endgültig aufgegeben wurde. Durch neue Brücken und Chausseen sowie die Eisenbahn verlief der Verkehr nun auf anderen Trassen und Reisende kamen dadurch nur noch selten vorbei.

In der drei Wochen andauernden Grabungskampagne wurden Hunderte Funde gemacht, die den Alltag in einem Rasthaus illustrieren: Koch- und Trinkgefäße aus Keramik, Besteck und Tierknochen sowie Münzen aus Silber und Kupfer. Überraschend war die hohe Zahl importierter Ware, die man zu dieser Zeit eher in herrschaftlichen oder bürgerlichen Haushalten erwarten dürfte. Hierzu gehört beispielsweise Porzellan aus der Königlichen Porzellanmanufaktur Berlin, Fayencen und Steingut. Möglicherweise Luxusgegenstände, die den Kapitänen vorbehalten blieben. Zu einem Wirtshaus gehört der Konsum von Genussmitteln. Davon zeugen die zahlreichen gefundenen Tabakpfeifen, die meist in den Niederlanden hergestellt wurden, sowie frühe Kaffeeservice und Trinkgefäße, aus denen Bier oder Wein gereicht wurde.

Forschung, Ausgrabung | Zeitstufen: Altsteinzeit / Mittelsteinzeit Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit Römische Kaiserzeit Jungsteinzeit Vorrömische Eisenzeit Bronzezeit | Daniel Nösler | 23.07.2015 Landkreis Stade

Neue Publikationen der Kreisarchäologie

Kürzlich sind zwei Publikationen zur niedersächsischen Archäologie mit Beiträgen des Kreisarchäologen erschienen.


In Heft 18 von Archäologie in Niedersachsen stellt Daniel Nösler in seinem Aufsatz Dunkle Geschichte am Elbstrand. Relikte der "Operation Gomorrha" die Funde und historischen Hintergründe zum Trümmerstrand an der Elbe bei Borstel vor.


Die wichtigsten niedersächsischen Ausgrabungen und Funde werden regelmäßig in der Fundchronik im Beiheft der Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte publiziert. Die Kreisarchäologie hat für das Jahr 2013 21 interessante Beiträge von A wie Apensen bis W wie Wohlerst beigesteuert. Sie umfassen zeitlich den Rahmen von der Mittelsteinzeit bis zur Gegenwart.

Ausgrabung | Zeitstufen: Bronzezeit Vorrömische Eisenzeit Römische Kaiserzeit Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit Jungsteinzeit | Daniel Nösler | 25.05.2015 Landkreis Stade

Die größte Grabung im Landkreis Stade

Schon vor 3.000 bis 2.500 Jahren war der Raum zwischen Harsefeld und dem Urwald „Braken“ ein begehrtes Wohngebiet. Archäologen der Grabungsfirma ArchaeoFirm, die im Auftrag des Landkreises Stade ein künftiges Baugebiet untersuchen, haben hier Spuren einer Siedlung der Bronze- und Eisenzeit gefunden.

Unter Leitung der Archäologin Freia Tröger hat das Forscherteam auf einer Fläche von rund 4,5 Hektar spannende Entdeckungen gemacht. Es handelt sich damit um die flächenmäßig größte Ausgrabung, die jemals im Landkreis Stade durchgeführt worden ist.

Die meisten Befunde stammen von einer Siedlung der jüngeren Bronzezeit und älteren Eisenzeit (1.000-500 v. Chr.). Zu dieser Zeit hat hier über längere Zeit ein größeres Dorf bestanden. Dokumentiert wurden eine Vielzahl von Brunnen, Zisternen, Gruben, Pfosten und Feuerstellen, die z.T. außergewöhnlich viel und sehr gut erhaltene Keramik erbracht haben. Darunter auch solche Formen, die bislang in unserem Raum noch nicht gefunden worden sind. Herausragend ist ein Stempel aus Keramik. Solche Stücke gibt es bislang aus dieser Zeit in Norddeutschland noch überhaupt nicht. Möglicherweise ist dieses Stück ein Beleg für Kontakte nach Süddeutschland oder in den Balkanraum.

Weiterhin wurden Hinterlassenschaften (darunter eine Fibel) aus der Kaiserzeit (100-200 nach Christus) aufgedeckt, die als Siedlung zu dem berühmten langobardischen Gräberfeld in der Ortsmitte gedeutet werden kann.

Eine Schmuckstück aus dem 5. Jahrhundert zeigt eindrucksvoll die Auswirkungen der Völkerwanderungszeit. Sachsen, auch aus dem Stader Raum, waren nach dem Zerfall des Römischen Reiches maßgeblich an der Besiedlung Englands beteiligt. Sie bildeten dort angelsächsische Königreiche. Daher findet man genau identische Fibeln auch auf der britischen Insel.

Dass bei Harsefeld schon vor über 5.000 Jahren von Menschen lebten, beweist ein jungsteinzeitliches Beil aus Feuerstein.

Einen ersten publizierten Vorbericht über die Grabungsergebnisse finden Sie hier.

 

Ausgrabung | Zeitstufen: Römische Kaiserzeit Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Daniel Nösler | 15.03.2015 Landkreis Stade

Ein Wohngebiet der Altsachsen

Bei Erschließungsarbeiten für ein Wohngebiet in Groß Fredenbeck wurden in den 1990er Jahren Teile einer Siedlung der Völkerwanderungszeit dokumentiert. Von den damals geborgenen Funden ist insbesondere die in einem völkerwanderungszeitlichen Brunnen geborgene hölzerne Leiter hervorzuheben, die Sie hier in der Ausstellung bewundern können. Im Vorfeld eines weiteren Neubaugebietes wurden bei einer von ArchaeoFirm durchgeführten Ausgrabung erneut über 400 Befunde aufgedeckt. 330 davon sind Pfostengruben, die sich zu mehreren Langhäusern rekonstruieren lassen. Neben den Langhäusern sind auch vier Grubenhäuser und ein kleinerer Hausgrundriss mit umlaufendem Wandgräbchen nachgewiesen.

Ein 3,20 m durchmessender, im Profil trichterförmiger, über 2,00 m tiefer Brunnen stellte die Wasserversorgung der Siedlung sicher. Aus der Brunnenverfüllung konnte ein halber Mühlstein geborgen werden, aus einer Grube kamen weitere Mühlsteine zutage. Neben Gräbchen, flachen Brandgruben und teils sehr keramikhaltigen Abfallgruben wurden auch zwei Gruben dokumentiert, die möglicherweise als Steinlager zur Mühlsteinherstellung genutzt wurden.

Das umfangreiche Keramikinventar weist auf eine Besiedlung von der Römischen Kaiserzeit bis zur Völkerwanderungszeit hin. Bei Detektorbegehungen fanden sich u.a. zwei völkerwanderungszeitliche Fibeln, ein Armringfragment und ein Bleispinnwirtel.

In der Nordhälfte ziehen neuzeitliche Wegespuren von Südwesten nach Nordosten über die Grabungsfläche und überlagern oder stören die älteren Befunde. Sie gehören zu einer älteren Wegeverbindung, die in Richtung Stade geführt hat und von der sich eindrucksvolle Hohlwegspuren an einer ehemaligen Furt über den Deinster Mühlenbach erhalten haben.

Zwei Vorberichte zu den Grabungen finden Sie hier und hier.

Forschung | Zeitstufen: Römische Kaiserzeit Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Daniel Nösler | 25.02.2015 Landkreis Stade

Vortrag "Römer - Germanen - Wikinger"

Der Kreisarchäologe Daniel Nösler wird am 18. März 2015, um 19:00 Uhr, mit seinem Vortrag "Römer - Germanen - Wikinger" die Reihe der "Speichergespräche" im Kornspeicher Freiburg eröffnen. In der Präsentation werden die neuesten Forschungsergebnisse zur Archäologie Kehdingens vorgestellt. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf den aktuellen Funden, die sehr enge Beziehungen zum römischen Imperium belegen. Während des Frühmittelalters bleibt die Elbmündung weiterhin im Fokus auch der Wikinger.

Auf die historischen Entwicklungen des Naturraumes der Elbe wird ebenfalls eingegangen. Wie war in den Elbmarschen ein Leben ohne die schützenden Deiche überhaupt möglich? Wie alt sind die Kehdinger Dörfer?

Nähere Informationen finden Sie hier: www.kornspeicher-freiburg.de/veranstaltungen/

Forschung | Zeitstufen: Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Daniel Nösler | 24.02.2015 Landkreis Stade

Neue Forschungen in Oederquart

Die Geschichte des Dorfes Oederquart in Nordkehdingen lässt sich durch neue archäologische Funde etwa 1900 Jahre zurückverfolgen. Zu dieser Zeit existierten noch keine Deiche, d.h. die damaligen Bewohner der Elbmarsch waren den Sturmfluten relativ schutzlos ausgeliefert. Da die fruchtbaren Marschenböden reiche Erträge versprachen, zog es seit mehr als 2000 Jahren Siedler in die unbedeichten Gebiete zwischen Oste und Elbe. Wenn es der steigende Meeresspiegel erforderlich machte, wurden zum Schutz auch künstliche Wohnhügel – die Wurten – errichtet.

Einer dieser Wurten verdankt auch das im Jahr 1331 erstmalig erwähnte Oederquart seinen Namen. Noch heute haben sich drei dieser künstlichen Wurten erhalten: eine kleinere Wurt liegt im ausgedehnten Gutspark von Oerichsheil. Seit Jahrhunderten vermutet man hier den Standort der sagenhaften Marienkapelle, zu der im Mittelalter Wallfahrten durchgeführt wurden. Allerdings wurden bislang noch keine eindeutigen Spuren dieses Bauwerkes entdeckt.

Um dieses Rätsel klären zu können, wurden kürzlich durch ein Team vom Institut für Ur- und Frühgeschichte der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel geomagnetische Messungen in der weitläufigen Gutsanlage durchgeführt. Mit dieser Methode lassen sich bei günstigen Bedingungen Strukturen wie Gebäude, Gräben oder Priele im Boden erkennen, ohne dass Erdeingriffe nötig sind.

Auch wenn Oederquart sich heute weit im Hinterland der Elbe befindet, war der Ort vor mehr als 1000 Jahren noch durch einen schiffbaren Priel mit der Elbe verbunden. Auf diesem Wege gelangten beispielsweise die bei Oederquart gefundenen römischen Münzen hierher. Daher steht Oederquart auch im Fokus eines internationalen Forschungsprojektes, das sich den frühen Häfen widmet. Ein Team des Niedersächsischen Instituts für historische Küstenforschung aus Wilhelmshaven hat im Rahmen des Projektes im Februar 2015 ebenfalls geomagnetische Messungen durchgeführt, die derzeit ausgewertet werden.

Forschung | Zeitstufen: Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Daniel Nösler | 23.11.2014 Landkreis Stade

Die Burg des "Isern Hinnerk"

Der Flecken Horneburg entstand als Burgsiedlung einer im Jahr 1255 durch den Bremer Erzbischof Gebhard II. errichteten Niederungsburg, die durch einen Arm der Lühe vollständig von Wasser umgeben war. Bedeutende Adelsfamilien wie die von Borch, von Schulte, von der Osten und von Düring hatten hier ihren Sitz. Mehrfach war die Befestigung Schauplatz von Fehden und Feldzügen, so beispielsweise im Jahr 1311, als die Burg durch ein Heer des Bremer Erzbischofs Jens Grand belagert wurde. Ziel des Angriffs war es den legendären Ritter Heinrich von Borch, genannt Isern Hinnerk, zu fassen. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die durch die moderne Militärtechnik bereits bedeutungslos gewordene Burg vollkommen zerstört.

Im Herbst des Jahres 2014 wurde der stark verlandete Umfassungsgraben der Horneburg ausgebaggert. Diese Arbeiten wurden durch die Archäologische Denkmalpflege des Landkreises Stade fortlaufend begleitet. Dabei konnten in einem Abschnitt des Grabens zwei parallele Pfostenreihen beobachtet werden, die wahrscheinlich zu einer Brückenkonstruktion gehört haben dürften. Die Hölzer verblieben in situ, daher konnten keine Proben zur Altersbestimmung gewonnen werden.

Mit Genehmigung des Grundstückseigentümers wurde der Innenraum der Burg zusammen mit ehrenamtlichen Sondengängern mit Metalldetektoren untersucht. Es fanden sich unter anderem Musketenkugeln und geschmolzene Objekte, die auf die Katastrophe des Dreißigjährigen Krieges hindeuten.

Ausgrabung | Zeitstufen: Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Daniel Nösler | 18.11.2014 Landkreis Stade

Das alte Dorf Oldendorf

Seit mehr als sechs Jahren führt die Kreisarchäologie umfangreiche Forschungen um und in der Oldendorfer Kirche St. Martin durch. In den Jahren 2009-2010 fanden in unmittelbarer Nachbarschaft der romanischen Kirche großflächige Ausgrabungen statt, denn auf dem erst 1871 entwidmeten Kirchhof sollte ein großer Verbrauchermarkt entstehen. Aus der Frühzeit des Ortes stammt die erste Belegungsphase mit zahlreichen Kopfnischen- und Sarggräbern, die nach den 14C-Daten im 11. Jh. begann. In allen neuzeitlichen Kindergräbern wurde ein mehr oder minder umfangreicher Kopfschmuck festgestellt. Ganz offensichtlich war es in Oldendorf noch bis weit in die zweite Hälfte des 19. Jh. der Brauch, Kleinkindern, Mädchen und ledigen jungen Frauen eine Totenkrone mit in das Grab zu geben.

Die anthropologischen Ergebnisse sind erschütternd und werfen ein trauriges Bild auf die Lebenswirklichkeit vor etwa 150 Jahren. Durch die einseitige Ernährung, die vorwiegend aus Getreidebrei bestand, waren bei vielen Kindern Mangelerscheinungen zu beobachten. Die Folge waren eine geringe Körpergröße, verzögerte Entwicklung und erhöhte Anfälligkeit für Infektionskrankheiten. Die Kindersterblichkeit lag mit 50 % äußerst hoch, d.h. jedes zweite Kind starb vor dem Erreichen des 6. Lebensjahres. Besonders stark waren die Atemwegserkrankungen verbreitet, die bei mehr als der Hälfte der Bestatteten schwere Schäden in Nasen- und Kieferhöhlen hinterlassen hatten. Dies ist insbesondere auf die damaligen katastrophalen Wohnverhältnisse in den mit offenen Torffeuern beheizten Häusern zurückzuführen.

Im Jahr 2014 ergab eine umfassende Sanierung der Kirche die Möglichkeit, den Innenraum durch Georadarmessungen zu untersuchen. Dabei wurden die Apsis eines Vorgängerbaus, Grüfte und weitere Baubefunde entdeckt.

Forschung | Zeitstufen: Altsteinzeit / Mittelsteinzeit Bronzezeit Vorrömische Eisenzeit Jungsteinzeit Römische Kaiserzeit Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Daniel Nösler | 14.11.2013 Landkreis Stade

FundSache

FundSache - Archäologie zwischen Oste und Elbe
Daniel Nösler / Andreas Schäfer (Hrsg.): FundSache - Archäologie zwischen Oste und Elbe. Drochtersen 2013, MCE-Verlag Drochtersen, 192 Seiten, 205 Abbildungen, ISBN 978-3-938097-29-8, 22,50 Euro

Erleben Sie ein Stück Vergangenheit – unter diesem Motto haben sich namhafte Archäologen und Historiker zusammengetan und ein reich bebildertes Buch geschaffen, in dem die wichtigsten „Fundsachen“ zwischen Oste und Elbe vorgestellt werden. Im Stader Raum befindet sich eine Vielzahl überregional bedeutender archäologischer Fundorte. Großsteingräber der Steinzeit, Grabhügel der Bronzezeit sowie mittelalterliche Wurten, Deiche und Burganlagen prägen die Landschaft zwischen Oste und Elbe. Einige Fundplätze wie beispielsweise das große sächsische Gräberfeld von Issendorf werden seit Jahrhunderten erforscht, andere wie die Schwedenschanze bei Groß Thun in Stade rückten erst in den letzten Jahren in den Fokus der Archäologie.

Seit über 30 Jahren werden die archäologischen Denkmale und Funde des Landkreises Stade sowie der Städte Buxtehude und Stade durch eine hauptamtliche Denkmalpflege geschützt und erforscht. Erstmalig werden die z. T. außergewöhnlichen Ausgrabungen und Funde der letzten Jahrzehnte zusammenfassend vorgestellt. Mit dem Buch können sich die Leser auf eine Zeitreise durch Zehntausende von Jahren begeben: Vom Homo erectus bis in die Gegenwart.

Nach Einführungen zur Archäologie, zum Naturraum und zur Geschichte des Landkreises Stade werden in 49 reich bebilderten Kapiteln die bedeutendsten Funde von der Steinzeit bis zur Gegenwart vorgestellt.

Das von insgesamt 17 Autoren verfasste Werk richtet sich nicht allein an Fachwissenschaftler sondern vielmehr auch an die kulturhistorisch interessierte Öffentlichkeit. Erhältlich im Buchhandel, bei der Kreissparkasse Stade und hier im Museumsshop.

Ausgrabung | Zeitstufen: Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Dr. Andreas Schäfer | 10.11.2013 Stade

Schnitt in die Hansezeit - die zweite Stader Hafengrabung von 2013

Im Spätsommer 2013 wurden im Zuge von Sanierungsarbeiten an der Hudebrücke mit archäologischen Ausgrabungen an einer zentralen Stelle des Alten Hafens begonnen. Direkt unter dem Tretkran am Fischmarkt konnte mit Hilfe mehrerer stählerner Schachtkasten der Untergrund des mittelalterlichen Hafenbeckens bauvorbereitend untersucht werden. Zugleich bestand und besteht noch weiterhin die Möglichkeit,  die Baukonstruktion der Hudebrücke zu dokumentieren, die am Ende des 19. Jahrhunderts erneuert wurde und  - wie der Kran – bereits seit dem 13. Jahrhundert schriftlich bezeugt ist.
Entsprechend der Hafengrabung des Jahres 1989 war die Funddichte wieder verblüffend hoch. Erneut wurden bei den Schlämmvorgängen Hunderte von Münzen und Bleiplomben gefunden sowie viele andere wertvolle Kleinfunde. Noch sind nicht alle Grabungsergebnisse ausgewertet, doch zeigen sich schon jetzt sehr interessante und zum Teil überraschende Resultate, von denen in Verbindung mit der  Hafengrabung des Jahres 1989 ein weitgehend vollständiges und schlüssiges Bild zur Stader Hafenentwicklung zu erwarten ist.
Besonders spannend gestaltete sich die Dokumentation der tief liegenden Profile in den Schachtkästen, die nach der Datierung der Pingsdorfer Keramik noch bis in das  10. Jahrhundert zurückreichen. Der anstehende Boden steht bei etwa  – 3 m unter NN an. Erste Ergebnisse weisen auf einen ursprünglich anderen Schwingeverlauf – Richtung Fischmarkt und Salzstraße - hin, und bestätigen somit frühere Vermutungen sowie Rekonstruktionen. Erst ab dem 13. Jahrhundert scheint der Schwingeverlauf zur Hudebrücke umgeleitet worden zu sein.