Ausgrabung Aktuell

Der Archäo-Blog für die Region rund um Stade. Hier erfahren Sie stets, was es für Neuigkeiten rund um das Thema Archäologie gibt. Stadt- und Kreisarchäologie berichten gemeinsam mit dem Museum über neue Forschungen, Funde und aktuelle Ausgrabungen.

Ausgrabung, Forschung | Zeitstufen: Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Daniel Nösler | 04.06.2026 Landkreis Stade

Die Burg Horneburg erwacht zu neuem Leben

Jahrzehntelang lag die Burginsel Horneburg verborgen hinter dichtem Bewuchs und war der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Dabei befand sich hier einst eine der bedeutendsten mittelalterlichen Befestigungen im Elbe-Weser-Dreieck. Die im Jahr 1255 errichtete Wasserburg kontrollierte einen wichtigen Übergang vom Alten Land auf die Stader Geest und spielte über Jahrhunderte eine zentrale Rolle in den regionalen Machtkonflikten zwischen dem Erzbistum Bremen, dem Bistum Verden und dem Herzogtum Braunschweig-Lüneburg.

Besonders im frühen 14. Jahrhundert geriet die Burg wiederholt in den Mittelpunkt von Fehden und Belagerungen. Bekannt wurde sie vor allem durch die Ereignisse um Heinrich von Borch, den legendären „Isern Hinnerk“. Im Dreißigjährigen Krieg wechselte die Anlage mehrfach den Besitzer, bevor sie nach ihrer Zerstörung und der schwedischen Eroberung 1645 endgültig aufgegeben wurde.

Da weder zeitgenössische Darstellungen noch aussagekräftige Schriftquellen zum Aussehen der Burg überliefert sind, erforscht die Stader Kreisarchäologie die Anlage seit 2014 intensiv. Geophysikalische Untersuchungen ermöglichten die Lokalisierung von Gebäudefundamenten, während Detektorbegehungen zahlreiche Funde aus der Zeit der Burgzerstörung ans Licht brachten. Die Ergebnisse bilden heute die Grundlage für eine virtuelle Rekonstruktion der einstigen Burganlage.

Mit der denkmalgerechten Umgestaltung der Burginsel hat der Flecken Horneburg diesen bedeutenden Geschichtsort nun wieder zugänglich gemacht. Neue Wege, Sitzmauern auf historischen Fundamenten, eine Brücke mit Palisaden, Veranstaltungsflächen sowie digitale Vermittlungsangebote machen die Geschichte der Burg erlebbar.

Offiziell eingeweiht wird die neugestaltete Burginsel am 12. Juni 2026 mit einem großen Burginselfest. Von 16 bis 24 Uhr erwartet die Besucher ein abwechslungsreiches Programm mit Mittelalterständen, Schaukämpfen, Musik, Führungen, Mitmachaktionen für Kinder und zahlreichen Beiträgen Horneburger Vereine und Institutionen. Ergänzt wird das Fest durch Vorführungen historischer Handwerke, virtuelle Einblicke in die Burggeschichte sowie ein vielfältiges Bühnenprogramm. Einen Überblick über alle Programmpunkte bietet die Internetseite des Fleckens Horneburg.

Bereits vor der Eröffnung ist zudem die neue Website burginsel-horneburg.de online gegangen. Dort können Interessierte die Ergebnisse der archäologischen Forschungen entdecken und die historischen Gebäude der Burg mittels Augmented Reality auf dem Smartphone erkunden. Darüber hinaus ermöglicht eine gemeinsam mit der HafenCity Universität Hamburg entwickelte Virtual-Reality-Anwendung erstmals einen virtuellen Rundgang durch die längst verschwundene Burg. Die Horneburg wird damit erneut zu einem lebendigen Mittelpunkt des Fleckens und zeigt eindrucksvoll, wie moderne Archäologie vergangene Welten sichtbar machen kann.