Jahrzehntelang lag die Burginsel Horneburg verborgen hinter dichtem Bewuchs und war der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Dabei befand sich hier einst eine der bedeutendsten mittelalterlichen Befestigungen im Elbe-Weser-Dreieck. Die im Jahr 1255 errichtete Wasserburg kontrollierte einen wichtigen Übergang vom Alten Land auf die Stader Geest und spielte über Jahrhunderte eine zentrale Rolle in den regionalen Machtkonflikten zwischen dem Erzbistum Bremen, dem Bistum Verden und dem Herzogtum Braunschweig-Lüneburg.
Besonders im frühen 14. Jahrhundert geriet die Burg wiederholt in den Mittelpunkt von Fehden und Belagerungen. Bekannt wurde sie vor allem durch die Ereignisse um Heinrich von Borch, den legendären „Isern Hinnerk“. Im Dreißigjährigen Krieg wechselte die Anlage mehrfach den Besitzer, bevor sie nach ihrer Zerstörung und der schwedischen Eroberung 1645 endgültig aufgegeben wurde.
Da weder zeitgenössische Darstellungen noch aussagekräftige Schriftquellen zum Aussehen der Burg überliefert sind, erforscht die Stader Kreisarchäologie die Anlage seit 2014 intensiv. Geophysikalische Untersuchungen ermöglichten die Lokalisierung von Gebäudefundamenten, während Detektorbegehungen zahlreiche Funde aus der Zeit der Burgzerstörung ans Licht brachten. Die Ergebnisse bilden heute die Grundlage für eine virtuelle Rekonstruktion der einstigen Burganlage.
Mit der denkmalgerechten Umgestaltung der Burginsel hat der Flecken Horneburg diesen bedeutenden Geschichtsort nun wieder zugänglich gemacht. Neue Wege, Sitzmauern auf historischen Fundamenten, eine Brücke mit Palisaden, Veranstaltungsflächen sowie digitale Vermittlungsangebote machen die Geschichte der Burg erlebbar.
Offiziell eingeweiht wird die neugestaltete Burginsel am 12. Juni 2026 mit einem großen Burginselfest. Von 16 bis 24 Uhr erwartet die Besucher ein abwechslungsreiches Programm mit Mittelalterständen, Schaukämpfen, Musik, Führungen, Mitmachaktionen für Kinder und zahlreichen Beiträgen Horneburger Vereine und Institutionen. Ergänzt wird das Fest durch Vorführungen historischer Handwerke, virtuelle Einblicke in die Burggeschichte sowie ein vielfältiges Bühnenprogramm. Einen Überblick über alle Programmpunkte bietet die Internetseite des Fleckens Horneburg.
Bereits vor der Eröffnung ist zudem die neue Website burginsel-horneburg.de online gegangen. Dort können Interessierte die Ergebnisse der archäologischen Forschungen entdecken und die historischen Gebäude der Burg mittels Augmented Reality auf dem Smartphone erkunden. Darüber hinaus ermöglicht eine gemeinsam mit der HafenCity Universität Hamburg entwickelte Virtual-Reality-Anwendung erstmals einen virtuellen Rundgang durch die längst verschwundene Burg. Die Horneburg wird damit erneut zu einem lebendigen Mittelpunkt des Fleckens und zeigt eindrucksvoll, wie moderne Archäologie vergangene Welten sichtbar machen kann.
Wie wurden Pfeilspitzen aus Feuerstein hergestellt? Wie lange dauerte es, einen Baum mit steinzeitlichen Werkzeugen zu fällen? Und welche Techniken nutzten Menschen der Vor- und Frühgeschichte zur Herstellung von Keramik, Metallgeräten oder Textilien? Solchen Fragen widmet sich die Experimentelle Archäologie. Sie verbindet wissenschaftliche Forschung mit praktischem Ausprobieren und hilft dabei, archäologische Funde und Befunde besser zu verstehen.
Seit mehr als 20 Jahren gehört die Experimentelle Archäologie zum festen Bestandteil der Ausbildung am Institut für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie der Universität Hamburg. Gemeinsam mit dem Steinzeitpark Dithmarschen in Albersdorf erproben Studierende historische Handwerkstechniken und rekonstruieren Arbeitsabläufe vergangener Epochen. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse fließen unmittelbar in Forschung und Lehre ein.
Die Ausstellung „Studieren, Probieren, Experimentieren“ im Museum Schwedenspeicher Stade gibt spannende Einblicke in diese Arbeit. Präsentiert werden Originalfunde, Repliken und zahlreiche Objekte, die im Rahmen experimenteller Untersuchungen entstanden sind. Sie zeigen eindrucksvoll, wie durch praktisches Erproben neue Perspektiven auf das Leben vergangener Gesellschaften gewonnen werden können.
Die Ausstellung ist vom 10. Mai bis 1. November 2026 im Museum Schwedenspeicher zu sehen. Führungen und weitere Begleitveranstaltungen ergänzen das Programm.
Umfangreiche archäologische Funde zeigen, dass die Region um Oldendorf bereits seit Jahrtausenden dicht besiedelt gewesen ist. Insbesondere die zahlreichen steinzeitlichen Objekte und Gräber aus der Bronze- und Eisenzeit sind wichtige Zeugen längst vergangener Epochen. Einige dieser bedeutenden Fundstücke wie ein römischer Silbermünzschatz sind im Stader Museum Schwedenspeicher ausgestellt.
Direkt neben dem Ort wurde in den letzten Jahren ein besonderer Fundplatz entdeckt, von dem Objekte aus verschiedenen Epochen stammen. Herausragend sind hierbei Schmuckstücke aus der Römerzeit und ein arabischer Dirham, der durch den Handel der Wikinger in unser Gebiet gekommen ist. Teile dieser bedeutenden Fundstelle sind kürzlich im Vorfeld der Baumaßnahmen für die SuedLink-Stromleitung ausgegraben worden.
Oldendorf besitzt mit der Kirche St. Martin eines der ältesten Gotteshäuser des Landkreises Stade. In und an der Kirche sind umfangreiche Ausgrabungen vorgenommen worden, die interessante Einblicke in die Oldendorfer Geschichte vor 1.000 Jahren ermöglichen. Die Untersuchung der geborgenen Skelette zeigte, wie hart und entbehrungsreich die damaligen Lebensverhältnisse gewesen sind. Auch konnten Belege dafür entdeckt werden, dass man offenbar Angst vor der Wiederkehr bestimmter Toter hatte.
Die zahlreichen archäologischen Funde die in Oldendorf entdeckt wurden, belegen, dass die Geschichte des Dorfes weit vor der schriftlichen Ersterwähnung im 12. Jahrhundert begonnen hat.
Außerdem werden einige archäologische Denkmäler um Oldendorf vorgestellt, die durch eine Wanderung erkundet werden können.
In einem reich bebilderten Vortrag werden die archäologischen Forschungen in und um Oldendorf durch den Stader Kreisarchäologen Daniel Nösler dargestellt. Die Veranstaltung findet am 7.02.2026, um 15:00 Uhr, im Brunkhorst`schen Haus, Sunder Straße 2, 21726 Oldendorf, statt.
Es besteht außerdem die Gelegenheit, selbst entdeckte Funde begutachten zu lassen.
Der Stader Geschichts- und Heimatverein setzt die Reihe seiner Stammtischvorträge fort: Kreisarchäologe Daniel Nösler wird am Donnerstag, 5. Februar, um 17 Uhr über das Thema „Zur Geschichte der Archäologie der Burg Horneburg“ sprechen.
Jahrzehntelang befand sich die unmittelbar am Ortskern gelegene Burg Horneburg im Dornröschenschlaf. Unzugänglich und zugewachsen war die Burginsel der Öffentlichkeit verborgen. Die Horneburg entstand 1255 im Grenzgebiet zwischen dem Erzbistum Bremen, dem Bistum Verden und dem Herzogtum Braunschweig-Lüneburg und kontrollierte einen strategisch wichtigen Zugang vom Alten Land zur Stader Geest. Sie kann als eine der wichtigsten Burganlagen im Elbe-Weser-Dreieck gelten. Im frühen 14. und 15. Jahrhundert war die Burg mehrfach Schauplatz von Belagerungen, Fehden und Raubzügen, insbesondere im Jahr 1311 im Zusammenhang mit Heinrich von Borch, dem legendären „Isern Hinnerk“. Trotz Urfehde und politischer Befriedungsversuche blieb die Horneburg lange ein regionaler Unruheherd. Im Dreißigjährigen Krieg wechselte sie mehrfach den Besitzer, wurde zerstört und 1645 nach der schwedischen Eroberung endgültig abgebrochen. Als Wasserburg mit runder Hauptburg, Vorburg und Dammzugängen prägte sie zugleich die Entstehung des Fleckens Horneburg.
Da keinerlei Schriftquellen oder bildliche Darstellungen über das Aussehen der Befestigung bekannt sind, forscht die Stader Kreisarchäologie seit 2014 intensiv auf der Burg Horneburg. So wurden geophysikalische Messungen durchgeführt, mit denen die Fundamente der Burggebäude entdeckt werden konnten. Daneben wurde Begehungen mit dem Metalldetektor durchgeführt, die zahlreiche Funde insbesondere aus der Zeit der Zerstörung erbrachten.
Der Flecken Horneburg hat kürzlich die Burginsel als öffentliche Parkanlage behutsam und denkmalverträglich neu entwickelt. So wurden Sitzmauern auf historischen Fundamenten, ein multifunktionales Bühnenpodest, eine Brücke mit Palisaden sowie digitale Informationsangebote zur virtuellen Rekonstruktion der Burg gestaltet. Die digitale Wiederauferstehung der Burg wird in Kooperation mit der HafenCity Universität Hamburg erstellt.
Die Vortragsveranstaltung findet im Inselrestaurant Stade statt. Der Eintritt ist frei. Eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich.