Ausgrabung Aktuell

Der Archäo-Blog für die Region rund um Stade. Hier erfahren Sie stets, was es für Neuigkeiten rund um das Thema Archäologie gibt. Stadt- und Kreisarchäologie berichten gemeinsam mit dem Museum über neue Forschungen, Funde und aktuelle Ausgrabungen.

Forschung | Zeitstufen: Römische Kaiserzeit Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Daniel Nösler | 16.11.2025 Landkreis Stade

Vortrag "Gold und Macht. Das Niederelbegebiet und seine Beziehungen zum römischen Imperium in der Spätantike"

Für das Gebiet des Landkreises Stade sowie für das gesamte Elbe-Weser-Dreieck lassen sich anhand archäologischer Funde vielfältige Kontakte zum römischen Imperium belegen. Für die ältere Römische Kaiserzeit sticht insbesondere das frühgeschichtliche Zentrum heraus, das um Apensen bestanden hat.

Um 200 nach der Zeitenwende kommen die Kontakte mit dem Imperium scheinbar für einige Zeit zum Erliegen, denn der Zustrom römischer Gegenstände in unseren Raum versiegt weitgehend. Erst ab der Mitte des 4. Jahrhunderts treten wieder vermehrt römische Objekte auf, wobei zwei Aspekte auffallen: Es überwiegen Militaria und zum ersten Mal gelangen römische Goldmünzen an die Niederelbe. Die Solidus genannten Prägungen bestanden aus einem sehr reinen Gold und haben in der deutschen Sprache auch nach über 1.600 Jahren vielfache Spuren hinterlassen. Die Begriffe Soldat, Söldner und Sold lassen sich etymologisch vom Namen der römischen Goldmünze ableiten. In der Forschung werden die in Niedersachsen gefundenen Solidi als Soldzahlungen an einheimische Söldner interpretiert. Der Einsatz germanischer Söldner hatte in der Antike eine lange Tradition. Durch die von Kaiser Konstantin dem Großen zu Beginn des 4. Jhs. eingeleiteten Heeresreformen begann mit der vielfachen Aufnahme von rechtsrheinischen Germanen eine Entwicklung, die als „Germanisierung“ oder „Barbarisierung“ des römischen Militärs beschrieben wird. Der unaufhaltsame Wandel im Heerwesen wird insbesondere dadurch illustriert, dass germanische Militärs nun bis in die höchsten Führungsämter aufsteigen konnten. Dass solche Anführer höchsten Ranges auch aus dem Niederelberaum stammten, zeigen besondere Funde, wie das bei Fredenbeck gefundene Multiplum, eine besondere Goldmünze, die durch den römischen Kaiser nur an hochgestellte Persönlichkeiten vergeben wurde und eine bei Altenwalde entdeckte römische Silberschale.

Im 4./5. Jh. kommt es im westlichen Teil der Germania magna zu einer bemerkenswerten Häufung von Funden militärischer Militärgürtel, die mit der aus den Schriftquellen überlieferten starken Zunahme germanischer Söldner erklärt werden kann, die für das römische Heer rekrutiert wurden. Die regionale Verteilung der spätrömischen Militärgürtel ist insbesondere für Niedersachsen aufschlussreich, da sich östlich des Limes neben dem Rhein-Main-Gebiet das Elbe-Weser-Dreieck als wichtigster Schwerpunkt abzeichnet. Daher liegt es nahe, hier eine der zentralen Herkunftsregionen angeworbener Söldner mit sächsischem Migrationshintergrund zu verorten.

Der Veranstaltung findet im Rahmen der gemeinsamen Vortragsreihe des Hamburger Vorgeschichtsvereins und des Instituts für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie am Mittwoch, den 19. November, um 18.15 Uhr in hybrider Form statt. Für die Präsenzveranstaltung steht der Raum 121 (Seminarraum der Klassischen Archäologie) ab 18.00 Uhr zur Verfügung. Den Link für eine Online-Teilnahme per Zoom erhalten Sie auf Anfrage über das Geschäftszimmer der Archäologischen Institute (Frau Wohlers) .

Ausgrabung | Zeitstufen: Bronzezeit Jungsteinzeit | Prof. Dr. Tobias Mörtz | 26.09.2025 Landkreis Stade

Lehrgrabung der Universität Hamburg bei Hammah

Vom 4. bis 15. August 2025 führte das Institut für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie der Universität Hamburg in Kooperation mit der Kreisarchäologie Stade (Daniel Nösler M. A.) und der Archäologie AG Stade Ausgrabungen an einem Grabhügel zwischen den heutigen Ortschaften Hammah und Groß Sterneberg durch.

Der Fundplatz ist bekannt durch vier Megalithanlagen und mindestens 30 Grabhügel, die bis zur Trockenlegung des Moores von Torfablagerungen überdeckt waren. Erste Ausgrabungen fanden bereits in den 1920er-Jahren unter der Leitung von Karl Hermann Jacob-Friesen statt, weitere folgten u. a. 1983/84 als Projekt der Universität Hamburg.

Zur Überprüfung der aktuellen Erhaltungsbedingungen und Gewinnung neuer Daten wurde ein Viertel eines äußerlich intakten, ca. 16 m im Durchmesser umfassenden Hügels manuell abgetragen. Dabei konnte zwar eine randliche Steinsetzung, aber keine zentrale Bestattung festgestellt werden. Die in der Aufschüttung dokumentierten Funde umfassen u. a. Fragmente mindestens eines Drahtringes aus Kupfer oder einer Kupferlegierung sowie verschiedene bearbeitete Feuersteine. Die Datierung ist damit momentan nicht genauer als endneolithisch bis bronzezeitlich anzugeben. Das als Lehrgrabung konzipierte Projekt stand unter der Leitung von Prof. Dr. Tobias Mörtz (Universität Hamburg).

Ausgrabung, Forschung | Zeitstufen: | Daniel Nösler | 03.06.2025 Landkreis Stade

Vortrag: Archäologie hautnah erleben - 20 Jahre Archäologie-AG des Stader Geschichts- und Heimatvereins

Im Herbst 2005 wurde durch die Stadtarchäologie Stade und die Kreisarchäologie Stade im Stader Tageblatt zu einem Treffen im Museum Schwedenspeicher aufgerufen. Bei diesem Termin kamen über 20 Interessierte zusammen – der Beginn einer intensiven und fruchtbaren Zusammenarbeit und die Gründungsstunde der Arbeitsgemeinschaft Archäologie.

Die Aktivitäten der Arbeitsgemeinschaft sind vielfältig und sehr unterschiedlich – es gibt keine Vorgaben, wie sich die Mitglieder einbringen können. So unterschiedlich die Menschen, so unterschiedlich die Herangehensweise an die ehrenamtliche Arbeit.

Während einige regelmäßig auf Grabungen und Prospektionen im Gelände mitarbeiten, sind andere Mitglieder im Magazin um zu archivieren und die archäologischen Funde aufzuarbeiten. Die AG ist außerdem bei der Pflege von Bodendenkmälern aktiv, betreibt eine eigene Facebook Seite, erstellt Datenbanken und historische Hintergrundinformationen zur Stadtgeschichte oder Rundgänge, die im Internet zu finden sind. Viele Projekte der Stadt- und Kreisarchäologie wären ohne das ehrenamtliche Engagement der Archäologie AG aus finanziellen oder Kapazitätsgründen nicht durchführbar gewesen.

Mit der AG wurde somit auch ein Forum geschaffen, die geschichtsinteressierte Öffentlichkeit über neue Forschungsergebnisse aus Archäologie und Historie in unserer Region zu informieren. Sie bietet geschichtsinteressierten Laien eine tolle Möglichkeit des Zusammenfindens und Austausches. Regelmäßig, einmal im Monat, finden Treffen statt, hier werden Vorträge zu unterschiedlichen Themen gehalten, Ausflüge und Aktivitäten geplant und der Austausch gepflegt.

Am Donnerstag, den 5. Juni 2025 um 17.00 Uhr wird Frank Albers im Inselrestaurant Stade den Vortrag "Archäologie hautnah erleben - 20 Jahre Archäologie-AG des Stader Geschichts- und Heimatvereins" halten. Er wird dabei über die vielseitige ehrenamtliche Tätigkeit der Archäologie-AG berichten. Der Vortrag findet im Rahmen der Stammtischvorträge des Stader Geschichts- und Heimatvereins statt.

Forschung, Ausgrabung | Zeitstufen: Völkerwanderungszeit / Mittelalter / Neuzeit | Daniel Nösler | 23.03.2025 Landkreis Stade

Vortrag und Lesung zur "Roten Lena" - Geschichte am Originalschauplatz erleben

Am 26. März 2025 lädt das Stadtmarketing Harsefeld zu einem besonderen Vortrag ins Restaurant Einfach Köstlich ein. Ab 19 Uhr nehmen der Stader Kreisarchäologe Daniel Nösler und der Autor Dietrich Alsdorf die Zuhörer mit in die spannende Geschichte der „Roten Lena“ – Archäologischer Befund und Fiktion zur Hinrichtung von Marlena Prink (1842).

Der Vortragsort könnte dabei nicht passender sein: Der Klosterkeller, direkt neben den historischen Klostermauern, innerhalb denen auch Marlena Prink inhaftiert gewesen sein soll, bevor ihr Leben auf dem nahegelegenen Schafott endete.

Marlena Prink, besser bekannt als die „Rote Lena“, lebte von 1800 bis 1842 in Elstorf und Buxtehude. Ihr Leben war von dramatischen Wendungen geprägt: Als einfaches Bauernmädchen geboren, geriet sie in eine Intrige, die schließlich zu ihrer Hinrichtung führte. In ihrem Vortrag beleuchten Daniel Nösler und Dietrich Alsdorf die neuesten archäologischen Funde sowie historische Überlieferungen und hinterfragen, was sich wirklich belegen lässt – und was Legende ist.

Eintritt: 5 Euro. Die Plätze sind begrenzt! Verbindliche Anmeldung erforderlich unter stadtmarketing@harsefeld.de oder 04164 887 135.

Nutzen Sie die Gelegenheit, Geschichte an ihrem Originalschauplatz zu erleben – ein Abend voller Spannung, Forschung und lebendiger Vergangenheit erwartet Sie!